Safe! Stories übers Investieren

Elisabeth Oberndorfer, was hast du aus Krisen übers Investieren gelernt?

Episode Summary

Journalistin und Medienunternehmerin Elisabeth Oberndorfer erzählt, wie sie trotz eines finanziell unsicheren Aufwachsens zu einer bewussten Investorin wurde – und warum sie Krisen wie den Corona-Crash als Chance sah, mutig in den Markt einzusteigen. Im Gespräch geht es außerdem darum, warum sachliche Finanzberichterstattung schwer zu verkaufen ist und wie Finanzbildung echte Chancengleichheit schaffen kann.

Episode Notes

Medienunternehmerin, Journalistin und WirtschaftsNews-Macherin Elisabeth Oberndorfer (Smart Casual) spricht über ihren Weg vom einkommensschwachen Haushalt zur bewussten Investorin – von den ersten Depot-Erfahrungen bis zum beherzten Einstieg beim Corona-Crash. Sie erklärt, warum Finanzmedien oft nur in Krisenzeiten gehört werden, was Boom-or-Bust-Narrative mit uns machen und wieso Finanzbildung in der Schule ein echter Gamechanger wäre.

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Kapitelmarken:
[00:00] Begrüßung & Intro
[00:37] Vorstellung von Elisabeth Oberndorfer
[01:19] Karrierestart: Von Politik zu Wirtschaft & Journalismus
[03:29] Silicon Valley & der Blick auf Tech-Unternehmertum
[08:31] Erste Berührungspunkte mit der Börse beim STANDARD
[08:51] Finanzcrash 2008 – live aus dem Newsroom
[09:57] Die ersten Investments & der Irrglaube vom großen Start
[10:51] Corona-Crash 2020 als mutiger Einstieg
[11:56] Technische Analyse & was man wirklich braucht
[13:00] Krise als Chance – Wissen aus dem Journalismus
[14:28] Boom-or-Bust-Narrative in den Medien
[16:54] Sachliche Berichterstattung als persönlicher Auftrag
[19:33] Finanzbildung als Mittel gegen Gatekeeping
[20:18] Aufgewachsen ohne Geld – und trotzdem Vermögen aufbauen
[24:28] Finanzbildung in der Schule als Schlüssel
[25:49] Aktuelle Anlagestrategie: Einzelaktien, ETFs & Krypto
[27:17] Pensionsplanung & der Blick auf die nächsten Jahrzehnte

Episode Transcription

Willkommen bei Safe! Stories übers Investieren.

Das ist der Podcast der Wiener Börse für alle, die sich beim Thema Geldanlage noch nicht ganz sicher fühlen.

Deshalb holen wir Menschen vors Mikro, die offen über ihre Erfahrungen sprechen. Über ihre ersten Investments. Über Fehler, Aha-Momente und darüber, was sie heute anders machen würden.

Wir sind Anna-Lisa Bier.

Und Alexander Wastl. Wir finden: Über Geld sollten wir viel öfter und viel offener sprechen.

Ich würde sagen, das machen wir jetzt direkt, und jetzt geht's los.

Hallo und herzlich willkommen bei Safe! Stories übers Investieren. Für alle, die uns noch nicht kennen: Mein Name ist Anna-Lisa Bier, ich bin Podcast-Host und Journalistin, und gegenüber sitzt mein Kollege von der Wiener Börse, der Alex. Hi Alex.

Hallo Anna-Lisa.

Heute bist du wieder an der Reihe. Wer ist denn heute bei dir zu Gast?

Bei mir ist heute Elisabeth Oberndorfer. Sie ist Medienunternehmerin, Beraterin und Journalistin und bringt viel Know-how im Bereich Wirtschaft, Finanzen und Technologie mit.

Ich glaube, da werden wir in der Nachbesprechung einige Learnings zum Besprechen haben, also dranbleiben bis zum Schluss. Jetzt starten wir aber erstmal mit dem Gespräch.

Liebe Elisabeth, schön, dass du da bist.

Danke für die Einladung.

Bei dir dreht sich ja vieles beziehungsweise fast alles um Medien und Journalismus. Vielleicht magst du dich kurz vorstellen, was dich so rumtreibt, was dich antreibt.

Genau. Kurz: Lisa Oberndorfer. Ich betreibe den WirtschaftsNews Smart Casual und bin im weitesten Sinne das, was man heute als unternehmerische Journalistin oder auch News Creator, sagt man mittlerweile dazu, nennt. Das heißt, ich mache nicht nur Berichterstattung, sondern ich mache auch Medien im weitesten Sinne, Newsletter, Podcasts, einerseits für mein eigenes Unternehmen, andererseits berate ich auch Medienhäuser dazu. Und meine inhaltlichen Schwerpunkte sind Wirtschaft und Technologie. Das ist so in den letzten 10, 15 Jahren so als mein Fachgebiet gewachsen.

Wie kam es dazu, dass dieser Fokus auf Wirtschaft und Technologie?

Also, ich hatte immer schon Interesse an Technologie, schon als Kind. Also, wir hatten als eine der wenigen Familien in den 80er Jahren schon einen Personal Computer daheim, und deswegen bin ich mit dem aufgewachsen. Also, das fand ich eigentlich persönlich immer so spannend und habe mich dann im Studium schon mit digitaler Kommunikation beschäftigt, digitalen Medien. Das war ein großes Thema bei uns, und da war es eigentlich immer das persönliche Interesse.

Und dann bin ich aber reingerutscht in den Journalismus im Politikressort als erstes beim STANDARD und habe da gewusst: Okay, das möchte ich nicht langfristig machen. Ist zwar eines der spannendsten oder wahrscheinlich das spannendste Ressort, aber man muss es dafür lieben, und das war ich nicht. Und ich habe aber gleichzeitig damals schon gemerkt, dass ich mehr auch vom Mediengeschäft lernen will, also dass ich nicht nur in der Redaktion sitzen möchte. Deswegen habe ich auch dann auch unterschiedliche Jobs in anderen Bereichen gemacht.

Und ich glaube, da ist dann auch so mein Interesse an Unternehmen und Wirtschaft gekommen. Und ich bin dann vor 14 Jahren nach Silicon Valley, nach San Francisco gegangen, um dort über Startups und Tech zu berichten. Und das ist eigentlich so dieser Switch dann richtig in Technologie und Wirtschaft, weil ich sage immer: Mich interessiert jetzt nicht, welcher Akku im iPhone drinnen ist, aber mich interessiert das Unternehmerische daran oder der wirtschaftliche Impact, den zum Beispiel Technologie hat. Und so ist das entstanden in den vergangenen 10, 15 Jahren, dass das eigentlich so meine zwei Hauptthemen sind.

Und zusätzlich dann jetzt in den vergangenen sechs Jahren vor allem dann auch mit dem Launch vom Smart Casual Newsletter auch diese Frage: Wie viel müssten wir eigentlich über Wirtschaft wissen, um auch für uns persönlich zum Beispiel finanzielle Entscheidungen treffen zu können? Und das war auch der Anstoß, warum ich damals auch Smart Casual gestartet habe. Und so ist das Thema Finanzen dann noch mal mehr reingerutscht in das Thema Wirtschaft. Weil Wirtschaft und Finanzen sind durchaus unterschiedliche Dinge, und ich würde mich jetzt auch nicht als die Hardcore-Finanzjournalistin bezeichnen, sondern ich habe halt einen sehr breiten Überblick über das Gesamte.

Silicon Valley, also das wird wahrscheinlich deine Technologiebegeisterung noch mal befeuert haben, oder? Das ist so das Herz oder das Technologieherz der Welt, kann man sagen, oder?

Genau. Und es ist auch der Ort, wo die Zukunft passiert. Und es ist natürlich, es gibt halt immer wieder Innovationen und Experimente, die dann nicht aufgehen, die vielleicht ein paar Jahre funktionieren oder gerade auch in dieser Community funktionieren, weil die halt alle gleich mal alles ausprobieren. Und vieles passiert dann oder vieles kommt dann auch nicht in den Massenmarkt. Aber man sieht dann so solche Dinge wie zum Beispiel Robotaxis. Da merkst du schon, dass das jetzt langsam, natürlich auch viel langsamer, als wir vor zehn Jahren dachten, weil die gibt es ja auch schon seit zehn Jahren, aber dass durchaus gewisse Dinge dann über San Francisco und über dem Silicon Valley hinaus auch angenommen werden. Und das ist aber ganz spannend, weil das meiste wird halt an diesem Ort geboren oder getestet, zumindest.

Ja, ausprobieren, gutes Stichwort. Kann man sagen, dass die Amerikaner oder die Unternehmen in Silicon Valley, dass die einfach schnell einmal eine Idee ausprobieren? Haben wir da, ist da irgendein kultureller Unterschied zu Europa zum Beispiel, oder woran liegt das? Ist das auch einfach, weil dort halt viel mehr Kapital zu Hause ist, oder was? Du hast es aus erster Hand erfahren.

Ja, es ist schon einerseits natürlich eine Mentalität, dass gerade auch in Kalifornien, also ich würde jetzt gar nicht, ich habe jetzt auch nicht so viel Einblick in die Gesamt-USA, eher an Ost- und Westküste, und das ist natürlich was anderes, als wenn du irgendwo mitten in Amerika bist. Aber gerade Kalifornien ist halt wirklich dieses Mindset, einfach testen und immer wieder neue Dinge machen und was Neues aufbauen, was wir in Europa oder gerade auch in Österreich ja gar nicht haben. Und es liegt schon zum Teil auch daran, und das ist auch mit dem Kapital verbunden, dass du wenig soziale Sicherheit hast in den USA. Das heißt, wenn du den Job verlierst, dann hast du jetzt nicht ein Jahr Zeit und Arbeitslosengeld und überlegst dir dann, was du machst, sondern da ist halt viel mehr Druck, und du hast halt nicht diese Absicherung, die du bei uns hast. Und ich glaube, das macht uns sehr träge und auch sehr risikounfreudig, weil wir wollen halt die Sicherheit. Und ich habe das Gefühl, die US-Amerikaner haben diese Sicherheit oder kennen diese Sicherheit, die wir haben, gar nicht, und deswegen sind sie auch viel schneller, und jeder hat irgendwie ein Side Project und so weiter. Und ich glaube, das ist schon auch etwas.

Natürlich gibt es mehr Geld und Kapital, und das Risikokapital ist ja dort noch viel höher als bei uns. Es ist ja immer das Thema, dass in Europa nicht so viel Risikokapital zur Verfügung steht, aber es ist generell auch diese Offenheit demgegenüber, dass man auch Geld ausgeben muss und riskieren muss, um auch entsprechende Summen reinzubekommen. Und ich glaube, da steht uns immer ein bisschen die Angst im Weg, wirklich auch groß zu denken.

Ich möchte noch kurz wieder zu deinem Karrierestart sozusagen zurückkehren. Du hast beim STANDARD begonnen, und da habe ich eine dankbare Rutsche gelegt bekommen, weil du hast, also der STANDARD hat sich damals die Räumlichkeiten mit der Wiener Börse geteilt. Gab es da erste Berührungspunkte mit Börsianerinnen oder Börsianern? Was waren da so deine Eindrücke, wenn es die es hier gab?

Also, ich fand es supercool, dass wir in dem Gebäude waren, und die einzigen Berührungspunkte waren aber, dass wir uns im Lift gesehen haben. Und wir waren, glaube ich, im obersten Stock, wenn ich mich richtig erinnere. Also, ich fand es spannend, mit der Börse an einem Ort zu sein, aber es gab leider keine Überschneidungspunkte.

An was ich mich durchaus erinnern kann, ist der Finanzcrash 2008, 2009. Da war ich tatsächlich im Newsroom, und das war auch so diese Phase, wo ich in einem Alter war, wo ich zumindest geglaubt habe, ich habe noch kein Geld zu investieren, weil ich damals jetzt nicht so super verdient habe und das Thema auch noch sehr neu war. Also, ich war da wahrscheinlich Mitte, Anfang 20.

Und als dann der Crash 2020 mit der Pandemie kam, war das für mich auch so ein Moment, wo ich gedacht habe: "Wow, jetzt endlich ist der Moment da, wo meine Generation einen Crash hat, wo wir jetzt günstig in den Markt einsteigen oder einkaufen können." Und deswegen denke ich da oft so an diese Zeit zurück, wo wir tatsächlich im Börsengebäude waren und der Finanzcrash, und ich habe da zugeschaut, und meine Kollegen aus der Wirtschaft haben Stress gehabt.

Und also an das denke ich noch gern zurück, weil den Crash von der Dotcom-Blase habe ich jetzt weniger mitbekommen. Da war ich halt noch sehr jung, aber ich glaube, da habe ich auch gelernt oder dann im Nachhinein gelernt, dass solche Crashs und Abstürze durchaus auch Chancen, gerade auch für junge Menschen, sein können.

Das ist interessant. Das heißt, du hast aber tatsächlich dann bis Corona gewartet, bis du zu investieren begonnen hast, oder schon vorher? Oder hast du dich vorher schon damit auseinandergesetzt und nur auf den sogenannten richtigen Zeitpunkt gewartet, oder?

Nein, ich hatte davor schon ein Depot, und ich habe dann schon so vor zehn Jahren mehr oder zumindest das Gefühl gehabt, dass ich mir mehr zur Seite legen kann. Also, natürlich, du kannst halt immer mit, über das werden wir vielleicht auch später noch sprechen, kannst du ja eigentlich auch mit kleinen Beträgen anfangen. Aber ich habe mir immer gedacht, also das ist immer der Irrglaube, dass du halt wirklich auch groß starten musst. Und das war bei mir so vor zehn Jahren, würde ich sagen, wo ich angefangen habe, wo ich auch das Gefühl gehabt habe: "Okay, ich kann da jetzt auch in Aktien investieren und das Geld potenziell auch verlieren."

Das ist ja natürlich, wenn du halt nicht so viel Geld zur Verfügung hast, dann steckst du Geld in Aktien oder ETFs und weißt nicht, ob das wieder dementsprechend rauskommt. Und da brauchst du, glaube ich, eine gewisse Sicherheit. Aber der Crash in der Pandemie 2020 war durchaus dann der Moment, wo ich noch mal viel größer eingestiegen bin und auch eben noch immer Geld auf der Seite gelegt hatte, das zu dem Zeitpunkt tatsächlich auf meinem Girokonto lag und ich dann eigentlich alles reingeworfen habe, was man vielleicht auch nicht tun sollte.

Aber das war halt auch so ein Moment, wo ich Google und Apple und Berkshire Hathaway, also da war ja alles supergünstig und wo ich das auch vermitteln wollte, dass: "Hey, jetzt könnt ihr einsteigen." Und natürlich wissen wir nicht, wie die Welt in einem Jahr ausschauen wird, aber wenn man sich die Historie ansieht, dann wissen wir, dass wir in 20 Jahren wahrscheinlich nicht mehr im Minus sein werden.

Bist du dann gleich reingegangen, wie es wirklich so massiv runtergegangen ist, oder hast du schon gewartet, bis sich die Kurve sozusagen wieder gedreht hat, oder?

Nein, da war es eigentlich schon, also wahrscheinlich nicht am ersten Moment, aber durchaus so. Im März hat es ja, glaube ich, angefangen, April, und dann habe ich mir diese technische Analyse beigebracht und habe mich auch ein bisschen mit Traden und so beschäftigt, habe da auch ein bisschen rumgespielt, was ich ganz spannend fand und vor allem auch spannend, weil du halt schon auch ein bisschen mehr diese Charts verstehst.

Aber was du im Grunde verstehen musst, dass es also nicht jede Aktie und nicht jeder Leitwert geht immer bergauf. Aber wenn du jetzt nicht Daytrading oder Swingtrading oder was auch immer machst, dann ist es ja gar nicht so ein riskantes Spiel, wie man sich vielleicht denken würde, wenn man sich noch gar nicht damit beschäftigt hat.

Und viel muss man aber auch nicht wissen. Also, man muss diese technische Analyse nicht machen und diese Charts nicht lesen können, um das Ganze zu verstehen. Du musst halt nur wissen: "Okay, wo stehe ich gerade und wie habe ich mein Portfolio auch diversifiziert und solche Sachen?" Aber ich glaube, da habe ich schon gelernt, einerseits super tief einzusteigen und dann aber auch zu wissen: "Das brauche ich gar nicht, um langfristig auch Vermögen aufzubauen."

Und dieses Wissen, dass du eben, ja, eine Krise ist eben auch eine Chance, hast du das durch deinen Beruf, durch deine journalistische Tätigkeit gewusst, oder hast du dich da anders fortgebildet, oder woher kam dieses Wissen?

Ja, das kam wahrscheinlich durchaus durch meinen Beruf, weil natürlich auch nach dem Crash 2009 haben wir gesehen, es hat sich dann in den Jahren darauf wieder erholt. Und ich glaube, dass viele Menschen, das geht dir wahrscheinlich auch, also nachdem du bei der Börse arbeitest, kennst du wahrscheinlich das auch, dass viele Menschen kommen halt mit der Börse nur in Kontakt oder lesen und hören und sehen von der Börse nur, wenn es bergab geht, weil Medien berichten dann nicht drüber, wenn sie außer natürlich Handelswarts und so weiter, die sagen dann natürlich, wie sich der DAX entwickelt hat oder der ATX. Aber sonst hörst du nur, wenn es den großen Börsencrash gibt, und dann hörst du ein halbes Jahr später: "Okay, jetzt geht es wieder bergab" oder "Jetzt Krieg, es geht wieder bergab." Du hörst aber nicht diese: "Es geht eh langfristig seit fünf Jahren bergauf."

Und da habe ich sicher dieses Wissen gehabt, dass ja, es gibt da jetzt einen Crash, und natürlich ist so eine Pandemie sehr einzigartig, wo man auch nicht gewusst hat, wie wird sich das jetzt genau entwickeln. Aber andererseits war es jetzt auch nicht Rocket Science zu wissen, dass sich das wahrscheinlich in einigen Jahren wieder gut entwickeln wird.

Na, du sprichst mir komplett aus der Seele, ja, und greifst da auch schon ein bisschen vorweg, was ich dich fragen wollte, nämlich ob wir ein Problem haben mit diesen Boom-or-Bust-Narrativen.

Generell vielleicht, ist das das, was die Leute lesen wollen, also eben nur himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, die, weiß ich, die Titel, die durch die Decke gehen, oder eben die Kurse, die nach unten rauschen?

Wie schaut es da aus in der Berichterstattung oder aber vielleicht auch in der Wahrnehmung der Menschen mit diesem Boom-or-Bust-Thema?

Ja, ich glaube, das finde ich gar nicht so schwierig. Ich finde eher noch, wobei auch das ist jetzt nicht nur Social Media in Österreich, aber lange war es auch so eine moralische Diskussion. Wenn jetzt der Krieg ausbricht, solltest du überhaupt auf dein Portfolio schauen oder dir Gedanken darüber machen, dass du investierst, oder ist das nicht moralisch verwerflich, dass du dir jetzt über Geld Gedanken machst?

Du stehst ja eher für eine sachliche, unaufgeregte Berichterstattung, versuchst, glaube ich, Tragik auch so auszuvermeiden, wenn man das so sagen kann. Wie schwierig ist das in so Zeiten eben? Also, auch wenn ich gerade jetzt an die letzten Jahre denke und ich glaube, das Gefühl haben würde, wir kommen von einer Krise in die nächste. Wie schwierig ist es, da sachlich zu bleiben, Emotionen draußen zu lassen?

Also, für mich ist es nicht schwierig, weil es meine Natur ist, aber aus unternehmerischer Sicht frage ich mich schon oft oder weiß, dass, wenn ich gewisse Themen anders aufbereiten würde, wahrscheinlich mehr Reichweite hätte und damit mehr Aufmerksamkeit und auch Umsätze generieren könnte, gerade auch, wenn es um Aufmachung von Themen wie: "Eh, jetzt mit Energiekrise geht uns jetzt das Gas aus und Goldpreis fällt kosten." Also, das kennst du vielleicht auch auf Social Media, gibt es halt viele auch Influencer und Creator, die das immer sehr dramatisch darstellen oder: "Bitcoin, jetzt geht es wirklich zu Ende." Und die Geschichte ist meistens irgendwo in der Mitte.

Nur diese neutrale oder: "Hey, ist es eigentlich eh nicht alles so schlimm?" Geschichte fängt halt wenige Menschen. Und das ist das Gleiche wie mit Boom und Bust. Wenn du schreibst: "Dem ATX geht es eh ganz gut", liest das halt niemand. Und für mich ist es aber trotzdem wichtig zu sagen, es ist aber nicht immer auf und ab, sondern es ist meistens eigentlich sehr fad.

Und ich vergleiche das auch immer mit Fitnessmagazinen wie Men's Health. Also, es ist ja immer das Gleiche mit Sixpack aufbauen und Fett abbauen, keine Ahnung was. Das ist ja keine Rocket Science. Genauso ist Vermögensaufbau eigentlich immer das gleiche Spiel. Da ändert sich ja sehr wenig, aber du musst halt immer wieder versuchen, die Leute zu holen.

Und ich glaube, was man schon mehr, was ich auch mehr machen kann, ist vielleicht mehr auch persönlicher oder auch diese persönlichen Anliegen anzusprechen, die Menschen haben oder vielleicht auch Ängste, aber eben in einer Art, wo es nicht dieses Clickbaiting und diese Angstmache ist.

Du siehst es, glaube ich, auch als Auftrag an, dass du über deine Berichterstattung oder über deine Formate Bildungsbarrieren ein bisschen einreißt. Das ist ein persönliches Thema für dich. Vielleicht magst du da deine Erfahrungen teilen, woher dieser Antrieb auch kommt und welche Rolle das vielleicht auch bei deinem persönlichen Vermögensaufbau spielt oder gespielt hat.

Ja, ja, es ist tatsächlich so, auch mit Smart Casual, dass ich mich als jemand sehe, der das Gatekeeping abbaut, weil die Informationen sind da. Also, jeder könnte theoretisch das Handelsblatt lesen. Ich weiß zum Beispiel auch, dass ich nicht die Zielgruppe vom Handelsblatt bin, weil ich lese es halt, aber du vermittelst dann schon oder als Konsumentin oder potenzielle Investorin hast du halt das Gefühl, du gehörst da nicht dazu und du bist ja niemand, der Handelsblatt liest. Und ich möchte halt eine Umgebung schaffen, wo klar ist, das ist eigentlich in der Theorie und in einer perfekten Welt ist das alles gleich und der Markt ist für alle offen und Informationen sind für alle da, aber in der Praxis ist es halt oft nicht so.

Und ich bin jemand, also ich bin in einem einkommensschwachen Haushalt geboren und auch bildungsfern. Und bei uns war es klassisch, es war halt nie genug Geld da, und dementsprechend hat das auch mein Mindset geprägt. Also, ich habe auch immer das Gefühl gehabt, einerseits ist es nicht genug Geld da und andererseits, ich habe auch nie Geld oder es war für mich total normal, einfach auch immer irgendwie so am Limit zu leben.

Und da habe ich schon eigentlich auch über mittlerweile Jahrzehnte durchaus arbeiten müssen an meinem Mindset. Und also, das ist nach wie vor etwas, womit ich durchaus, ich würde jetzt nicht sagen, kämpfe, aber was jetzt nicht so, ich habe jetzt nicht dieses natürliche Money-Mindset und ich vermehre das alles und ich weiß, wie ich Vermögen aufbaue und ich habe mir das alles verdient, sondern ich muss mir das schon immer wieder auch beibringen und zugestehen, dass: "Hey, es ist alles in Ordnung und du hast jetzt genug am Konto und angelegt, dass jetzt eigentlich nichts passieren kann."

Aber wenn du so aufgewachsen bist, hast du, glaube ich, sehr lange das Gefühl: "Oh Gott, was ist, wenn jetzt wieder alles weg ist?" Deswegen ist mir das auch so wichtig, auch zu zeigen, ich komme aus einem Haushalt, wo halt echt kein Geld da war und wo ich nicht irgendwas erben werde, und es ist trotzdem möglich, sich etwas aufzubauen. Also, ich habe jetzt sicher keinen Startvorteil gehabt, und da ist es, glaube ich, durchaus durch meine persönliche Geschichte auch gut zu zeigen: "Hey, du musst jetzt nicht, auch wenn du jetzt eben in einem ähnlichen Umfeld aufgewachsen bist oder einen Job hast, wo du nicht so gut verdienst, du kannst auch klein anfangen und es gibt Chancen, sich was aufzubauen."

Also, es ist natürlich einfacher, wenn du halt in einem einkommensstarken Haushalt geboren bist und vielleicht auch mit Eltern, die wissen, wie man Vermögen aufbaut, die für dich gleich mal ein Depot anlegen, aber es ist nicht unmöglich, sich selbst was aufzubauen, und das möchte ich auch vermitteln.

Würdest du sagen, dass sich das verbessert hat in den letzten Jahren, dass das zugänglicher ist, Finanzinformationen? Wo gibt es noch Aufholbedarf?

Also, ich finde vor allem wahrscheinlich auch durch den Börsencrash in der Pandemie hat sich das sehr stark verändert. Also, wenn ich zurückdenke, als ich mir damals das Depot angelegt habe, was jetzt auch schon ewig her ist, aber das war halt damals, es war ein Online-Depot, aber es war halt trotzdem noch viel aufwendiger, als es jetzt ist mit Apps und so weiter.

Und da, es gibt mehr Informationen, es gibt auch mehr Informationen. Also, du musst halt nicht immer nur das Handelsblatt lesen. Es gibt halt viele Influencer und Creator und Social-Media-Plattformen, wo du sehr viel Information findest, aber natürlich auch sehr viele falsche Informationen.

Also, das macht es durchaus auch schwieriger. Also, einerseits ist es leichter geworden und mehr Leute kommen mit dem Thema in Kontakt und sagen dann wahrscheinlich auch schneller: "Okay, jetzt lege ich mir bei dieser App ein Depot an." Aber natürlich ist es dann auch schwieriger, dann wirklich zu wissen: "Okay, was sind jetzt vertrauenswürdige Inhalte?"

Also, da ist in den vergangenen fünf, sechs Jahren extrem viel passiert, und ich glaube, dementsprechend haben sich auch die Zahlen der Aktionär:innen in Österreich, glaube ich, auch immer stärker entwickelt, so in den letzten fünf Jahren. Und das ist schon cool, dass das eigentlich, was vor 10, 15, 20 Jahren noch total mühsam war, jetzt einfach super schnell zugänglich ist.

Ja, du hast recht. Also, wir haben in den letzten vier Jahren immer eine steigende Aktionärs- und Aktionärinnenquote. Das heißt, Angebot ist generell breiter geworden auf beiden Seiten, auf der guten und der schlechten.

Das heißt eigentlich, es braucht die Fähigkeit da zu differenzieren oder zu selektieren, was ist vertrauenswürdig oder richtig und was nicht. Das heißt, der Hebel wäre da wahrscheinlich am ehesten in der Schule anzusetzen, oder kann man das über, kann man das Individuum so animieren: "Okay, es muss sich jetzt jeder und jede selbst einfach informieren und dann selber herausselektieren können, was da jetzt ein Scam ist, sozusagen?" Oder wie siehst du das?

Ja, also, ich finde Finanzbildung extrem wichtig. Je früher, desto besser. Und das ist auch etwas, was Chancengleichheit schaffen kann, wenn du etwas nicht daheim lernst, dass du es zumindest in der Schule lernst und so früh wie möglich, dass, wenn du dann die ersten Jobs hast, dir dann auch gleich was zur Seite legen kannst, zum Beispiel. Also, da sehe ich schon Handlungsmöglichkeiten, das einfach viel mehr in die Bildung zu verankern.

Und darüber hinaus, also, ich glaube, im Erwachsenenalter ist halt dann schon mehr Eigenverantwortung gefragt. Viele machen das wahrscheinlich irgendwie durch die Banken oder so, wenn sie dann mit ihrem Bankberater darüber sprechen. Ja, also da auch, hier gibt es natürlich Stellen wie euch, glaube ich, die da auch sehr viele Informationen liefern, aber es ist natürlich sehr viel Eigenmotivation notwendig, um zu sagen: "Okay, und jetzt fange ich damit an."

Aber wenn du das schon im Schulalter machst, wo du die Leute da abholst, bevor sie überhaupt noch in den Beruf einsteigen, bevor sie überhaupt Vermögen aufbauen müssen oder möchten, dann haben sie natürlich das Wissen dann schon oder können dann überlegen: "Okay, wie starte ich oder wo gehe ich jetzt hin, um mich weiterzuinformieren?"

Ja, du hast jetzt schon einiges an Erfahrung gesammelt bei der Veranlagung. Du bildest dich automatisch durch deinen Beruf laufend fort, hast ein riesengroßes Wissen. Wie schaut jetzt deine aktuelle Strategie so aus beim Veranlagen? Worauf setzt du?

Ich habe keine Strategie. Deswegen sage ich auch immer: "Bitte keine Finanztipps von mir nehmen." Aber ich finde das auch immer super persönlich zu schauen: "Okay, wo steht die Person gerade, die über das Thema spricht?"

Ich selbst, dadurch, dass ich Unternehmerin bin, habe tatsächlich auch in den vergangenen Jahren selbst viel ins eigene Unternehmen investiert und sehe das durchaus auch als Investment und ein Vermögensasset, das ich habe. Natürlich jetzt noch eher am Anfang steht als in 10, 20 Jahren. Also, das sehe ich durchaus bis zur Pension noch als Asset, das ich aufbaue. Und ansonsten habe ich in erster Linie Einzelaktien und ein paar ETFs, ein bisschen Krypto und habe zwar einen Sparplan, der eigentlich sehr gering ist, und bin dann aber eher so situationsbedingt wie jetzt zum Beispiel jetzt mit der Eskalation im Nahen Osten, dass ich sage: "Okay, es wäre wieder mal gut, beim World ETF nachzukaufen, weil da gerade ein paar Prozent runtergegangen ist."

Also, da bin ich eher so situationsbedingt, weil ich halt wirklich auch gerade weiß, was los ist und dann mir denke: "Okay, jetzt wäre wieder ein guter Zeitpunkt, da ein bisschen mehr nachzukaufen." Aber ich habe tatsächlich sehr wenig Strategie.

Ich bin jetzt gerade an einem Punkt, wo ich überlege: "Wie schauen so die nächsten 15 bis 25 Jahre aus bis zur Pension?" Und ich möchte eigentlich Pension in Anführungszeichen sagen, weil ich jetzt nicht diesen klassischen Pensionsantritt haben möchte, wo ich dann nicht mehr arbeite. Aber für mich zu überlegen: "Okay, wie kann sich mein Unternehmen und mein Beruf verändern, dass ich in 15 Jahren, wo dann die Pension ein bisschen näher rückt, schon weiß: "Okay, wie wird das dann sein? Und habe ich schon genug und kann ich meine Arbeit reduzieren? Kann ich Assets verkaufen?" Das ist für mich jetzt gerade so die Frage, weil ich eigentlich schon sehr viele Dinge, die ich mir aufbauen wollte, mir aufgebaut habe und jetzt so diese Zeit habe, um zu sagen: "Okay, ich habe noch ein paar Jahrzehnte, wirklich Vermögen aufzubauen und auch vorzusorgen. Und was heißt das?" Und da stehe ich eigentlich jetzt gerade am Anfang, weil ich habe jetzt auch keine klassische Pensionsvorsorge gemacht und eben meine Investments sind eigentlich sehr riskant.

Also, ich investiere ja auch gerne in Unternehmen und Einzelaktien, und irgendwann muss es da wahrscheinlich auch einen Shift geben. Und ein Investment oder eine Anlageform, die ich tatsächlich auch noch plane, sind Unternehmen. Also, langfristig möchte ich auch selbst in Unternehmen investieren als Investorin, Business Angel in die Richtung. Das ist auch so ein Ziel für die nächsten 10, 20 Jahre.

Du hast da jetzt wahrscheinlich schon einiges von der abschließenden Frage, die ich dir stellen möchte, vorweggenommen. Was bedeutet für dich, safe beim Investieren oder bei den Finanzen zu sein?

Safe ist für mich und vor allem auch finanzielle Sicherheit, würde man wahrscheinlich auf Deutsch sagen, wenn ich frei in meinen Entscheidungen bin, wenn ich weiß, ich möchte als Unternehmerin einen gewissen Stundensatz verlangen oder verrechnen oder Tagsatz und möchte über ein gewisses oder unter ein gewisses Niveau nicht gehen, was heißt, dass ich gewisse Projekte und Kunden nicht annehmen werde oder nicht bekommen werde, aber zu wissen, ich bin so finanziell abgesichert, dass ich das auch tun kann und dass ich nicht irgendwie jeden Euro nachlaufen muss.

Das, was ich auch vorhin gemeint habe, was ich früher vor allem beim Berufsanfang hatte, wo ich das Gefühl hatte, ich habe nicht genug oder es könnte alles wieder weg sein. Also, für mich ist dieses Gefühl zu wissen, das, was ich mir aufgebaut habe, das ist so sicher, auch wenn, wie gesagt, die Investments, die ich mache, durchaus nicht immer die sichersten sind, aber ich weiß, über den Horizont, den ich habe, sind sie sicher, dass ich weiß, es wird nicht alles weg sein, sondern was ich jetzt tue, wird sich tatsächlich vermehren, also hoffentlich vermehren.

Also reden wir gerne in 10, 20 Jahren noch einmal, aber ich glaube, dieses Sicherheitsgefühl zu haben, dass selbst wenn es mal nicht so gut läuft oder wenn unvorhergesehene Dinge kommen, dass man trotzdem noch vertrauen kann, dass man seine Rechnungen zahlt.

Wir reden in 10, 15, 20 Jahren noch einmal, und ich sage: "Liebe Lisa, vielen Dank für das angenehme Gespräch."

Danke dir.

So, da sind wir wieder, und ich muss ehrlich sagen, nach diesem Gespräch hätte ich eigentlich am besten einen Zettel und Stift gebraucht, weil ich sehr viel aus dieser Folge mitnehmen konnte. Wie geht es dir, Alex?

Absolut bin ich voll bei dir. Die Lisa hat da eine sehr spannende Entwicklung durchgemacht, geprägt durch Aufwachsen in einem einkommensschwachen Haushalt, wie sie selbst gesagt hat, was dann auch die Ursache war, dass sie großen Respekt hatte vor Veranlagung und sich da einfach nicht abgeholt gefühlt hat, auch in dem Thema. Und das hat sie eigentlich zu ihrem Beruf oder ihrer Berufung gemacht, kann man sagen, weil sie mit ihren Inhalten versucht, sie ja eben gerade so Barrieren, was Wirtschaftswissen und Finanzwissen betrifft, abzubauen.

Sie spricht ja auch an, dass Finanzbildung für sie eigentlich das A und O ist und dass sie nach wie vor immer noch diese Angst vorm Verlust hat. Also, ich glaube, dass, wenn du so aufwächst, wahrscheinlich, dass sich das dann gar nicht so leicht wieder rausbringen lässt oder dass sie das immer wieder wahrscheinlich verfolgen wird, diese Angst vor Verlust, auch wenn sie jetzt vielleicht gut aufgestellt ist.

Ja, sie spricht das ja auch selber an. Wenn man aus einer einkommensschwächeren Familie kommt oder jetzt nicht die großen Reserven im Hintergrund hat, muss man auch natürlich genauer auf jeden Euro schauen, sozusagen. Und es lässt sich natürlich für jemanden, der jetzt viel Geld im Rücken hat, geerbt hat, whatever, leicht sagen: "Ja, jetzt fang zum Investieren an. Es ist ja eh, wenn man kaum was zu verlieren hat oder auch was verlieren kann und es tut einem nicht weh, dann kann man das leicht sagen."

Ja, sie hatte da andere Erfahrungen, und das hat sie, glaube ich, auch eben lang hingehalten, bevor sie gestartet hat.

Vor allem, wenn wir auch daran denken, dass gewisse, dass zum Beispiel Eltern für das Kind oder das neugeborene Kind schon ein Depot anlegen, beispielsweise, dann reden wir ja nicht nur davon, dass das Geld ein unterschiedlicher Faktor ist, sondern auch die Zeit. Also.

Absolut. Also, die Zeit ist ja eigentlich bei der Veranlagung der mächtigste Hebel, muss man sagen.

Gibt es so ein Sprichwort, das Albert Einstein zugeordnet ist, und der soll gesagt haben: "Der Zinseszins ist das achte Weltwunder." Also, es ist einfach irgendwie auch für einen der renommiertesten Wissenschaftler schwer zu erklären, was da passiert, und es ist wirklich, wenn man, also ich kann nur raten, gibt es eh online zuhauf schon, einfach Zinseszinsrechner eingeben mal in der Suche eurer bevorzugten Suchmaschine und spielt es euch da mit Beträgen herum.

Ich glaube, das sie ja auch erwähnt in der Folge, dass sie dieses Gatekeeping, also dass gewisse Informationen nur für eine bestimmte Personengruppe zum Beispiel zur Verfügung stehen, dass sie das auch reduzieren möchte und dass es da auch auf vertrauenswürdige Inhalte ankommt. Also, sie spricht sich ja komplett für diese Finanzbildung aus. Das passt ja eigentlich in dem Sinn auch dazu, weil solche Tools sollte man halt eigentlich so früh wie möglich schon kennenlernen.

Richtig, und ich hoffe, dass wir da auch unseren Beitrag dazu leisten können und ein bisschen aufklären können. Ja, es ist, es gehört zu den Veranlagungsgrundsätzen Information auch, aber es geht halt auch darum, wie sind Informationen aufbereitet? Und natürlich ist es für uns alle besser, wenn Informationen nicht hinter, keine Ahnung, ich sage jetzt Paywalls oder kompliziert formuliert, sondern dass man die wichtigsten Sachen einfach im Idealfall schon in der Schule mitbekommt und sich dann eben in der großen und weiten Finanzwelt austoben kann, sozusagen.

Und was sie ja auch sagt, was ich wiederum eigentlich schon fast lustig finde, ist, dass sie sagt, sie hat keine Strategie.

Ja, sie hat keine Strategie. Vielleicht schwingt bei Strategie immer so mit, dass das ein, da ist man, da hält man über Jahrzehnte immer am selben. Sie ist einfach, sie kauft eben zum Beispiel nach, wenn die Märkte sinken. Das kann, das ist dann sozusagen ein Effekt, ist aber auch eine Strategie. Da nennt man beide Tipp im Neudeutsch.

Also, wenn es nach unten geht, habe ich das empfunden: "Hey, ich kann, das ist jetzt eine gute Möglichkeit, dass ich die Unternehmen oder die Aktien günstiger unter Anführungszeichen erwerben kann." Also, wenn jetzt eine Krise, Finanzkrise, whatever, passiert, dass das eine Möglichkeit ist, dass das ja, das stimmt, aber man muss da aufpassen, weil wie schnell es dann wieder raufgeht, wie lange das dauert, bis sich der Markt erholt oder ob jetzt vor allem auf Einzelaktien gesprochen, ob sich diese Einzelaktie überhaupt wieder erholt. Unternehmen können auch in Konkurs gehen, dann ist sie wertlos. Das kann dir niemand vorher prognostizieren, und das wissen wir immer dann erst nachher.

Und deswegen würde ich das jetzt nicht, und ich glaube, das weiß die Lisa auch, weil sie hat das auch angesprochen. Ich glaube, je näher sie zu ihrer Pension kommt, desto eher würde sie dann sagen: "Jetzt kaufe ich vielleicht nicht mehr so aggressiv nach, sondern nehme mir dann auch vielleicht sogar schon was raus aus dem Veranlagten."

Was sie dazu dann auch sagt, also sie geht ja einerseits ein gewisses Risiko ein, aber sie schaut trotzdem immer, dass sie, das passt jetzt gut zum Podcastnamen, safe ist, also dass gewisse Sachen, dass es einfach nicht ins Minus geht, also dass sie trotzdem immer so gut aufgestellt ist, dass sich alles ausgeht.

Genau, dieses Wissen hat sie halt auch durch ihre Erfahrung oder langjährige Tätigkeit in der Wirtschaftsberichterstattung. Sie erlebt die Booms, also wenn es hochgeht am Markt, und sie kennt die Busts, also wenn irgendwie Blasen platzen etc. Aber sie weiß, und das ist vielleicht das, was jetzt jemand, der sich nicht so viel damit beschäftigt, diese Zerrbilder. Also, man liest ja meistens von Börsen, wenn was Schlimmes oder wenn es schlimm runtergeht, und das verfestigt sich im Kopf.

Und die Wahrheit ist aber eigentlich, hat sie selber auch gesagt, langweiliger Vater, das kann man nicht schreiben, weil über einen langen Zeitraum, trotz aller Krisen, wenn ich jetzt den ATX, unseren Leitindex in Österreich hernehme, der die 20 größten und meistgehandelten Aktien beinhaltet, dann hat der seit 1991 rund 7,5 % jährlich Performance gemacht, Rendite gemacht.

Und da haben wir zahlreiche Krisen drin. Also denk mal, denk nur Dotcom-Blase 2000, Finanzkrise 2008, Eurokrise und so weiter, Corona, und trotzdem, in jeder dieser Krisen hatten wir wahrscheinlich das Gefühl: "Wie geht es jetzt weiter? Was passiert? Geht es jetzt immer bergab?" Aber ich glaube, wir können uns auch in Zukunft darauf verlassen, dass sich langfristig die Märkte eben bei einer gewissen Rendite, es ist weder das eine Jahr, wo es plus 50 % raufgeht, so wie beim ATX letztes Jahr, ist die Wahrheit, noch die minus 30 % Jahre, die auch dazukommen, aber über lange Zeit pendelt sich das einfach ein bei einer ja doch ansehnlichen Rendite von 8 %.

Mit diesem Optimismus möchte ich die heutige Folge schließen. Ich glaube, das ist ein ganz guter Punkt. Ich danke dir, Alex, für deine lehrreichen Inputs und für das Gespräch.

Ich sage ebenfalls vielen Dank.

Danke auch an unsere Hörerinnen und Hörer fürs Zuhören. Nicht vergessen, in zwei Wochen erscheint die nächste Folge von Safe!. Wir freuen uns, wenn ihr auch dann wieder einschaltet. Danke und bis zum nächsten Mal. Ciao.

Ciao.

Das war Safe! Stories übers Investieren.

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Dieser Podcast ist Teil der Initiative "Beteilig dich der Wiener Börse". Mehr Infos dazu findest du online unter wienerborse.at/beteilig-dich sowie auf Instagram, TikTok und YouTube im Profil der Wiener Börse.

Danke fürs Zuhören.

Bis zum nächsten Mal.