Safe! Stories übers Investieren

Andreas Sator, erklär uns deine Investments!

Episode Summary

Andreas Sator, Host von „Erklär mir die Welt", erzählt wie er vom geldarmen Bauernhof-Kind zum transparenten Unternehmer wurde – und warum er nicht jeden Tag in sein Depot schaut.

Episode Notes

Andreas Sator ist Host von „Erklär mir die Welt" – einem der größten Podcasts Österreichs. Im Podcast spricht er über seine Kindheit am Bauernhof, wo über Geld kaum geredet wurde, wie er sich als Wirtschaftsredakteur beim Standard erstmals intensiv mit dem Thema Geldanlage beschäftigt hat und warum er seit Jahren konsequent auf breit gestreute Aktien-ETFs setzt. Außerdem erklärt er, weshalb er sein Einkommen als freier Journalist öffentlich offenlegt, wie sich sein Umgang mit Geld durch die Selbstständigkeit verändert hat – und warum er trotz seines wirtschaftlichen Wissens kaum Zeit damit verbringt, sein eigenes Portfolio zu verwalten.

Links:

Wiener Börse: www.wienerborse.at

Initiative „Beteilig dich": wienerborse.at/beteilig-dich

Podcast „Erklär mir die Welt": https://xn--erklrmir-3za.at/
 

Safe! auf Social Media:

Instagram: instagram.com/wienerborse  

Tiktok: tiktok.com/@wienerboerse    

YouTube: youtube.com/channel/UCXqq_RYN8oNMEs1fUNefV-Q  
 

Kapitelmarken:

[00:00] Intro
[00:37] Begrüßung & Vorstellung des Gastes
[01:41] Kindheit & erstes Verhältnis zu Geld
[03:49] Unternehmertum als Jugendlicher: Fußballmanager & erste Einnahmen
[07:40] HAK Steyr, Börsespiel & die Finanzkrise 2008
[08:08] VWL-Studium, Der Standard & der Weg in die Selbstständigkeit
[08:23] Schritt in die Selbstständigkeit – Sicherheit vs. Risiko
[13:31] Transparenz: Warum Andreas sein Einkommen öffentlich macht
[17:44] Gegenwind & Kritik
[18:05] Risiko und Rendite im Unternehmertum
[19:05] Das erste Investment: 10.000 Euro in einen Aktien-ETF
[21:28] Die Artikelserie „Katsching" im Standard
[23:50] Anlagestrategie: ETFs, Disziplin & nicht draufschauen
[26:04] Kurzfristige Liquidität & Anleihen als Unternehmer
[27:52] KI im Alltag: Kreditkartenabrechnungen analysieren
[33:35] Rückschläge & Corona als Kaufgelegenheit
[35:47] Was er über sich selbst beim Investieren gelernt hat
[37:45] Rat an Einsteigerinnen
[40:06] Was bedeutet „safe" beim Investieren?
[41:16] Nachbesprechung: Österreichische Risikoaversion
[44:28] ETF-Strategie: Konsequenz statt Komplexität
[48:35] Abschluss & Hinweise

Episode Transcription

Anna-Lisa Bier: [00:00:00] Willkommen bei Safe! Stories übers Investieren.

 

Alexander Wastl: Das ist der Podcast der Wiener Börse für alle, die sich beim Thema Geldanlage noch nicht ganz sicher fühlen.

 

Anna-Lisa Bier: Deshalb holen wir Menschen vors Mikro, die offen über ihre Erfahrungen sprechen. Über ihre ersten Investments.

 

Alexander Wastl: Über Fehler, Aha-Momente [00:00:20] und darüber, was sie heute anders machen würden.

 

Anna-Lisa Bier: Wir sind Anna-Lisa Bier.

 

Alexander Wastl: Und Alexander Wastl. Wir finden, über Geld sollten wir viel öfter und viel offener sprechen.

 

Anna-Lisa Bier: Ich würde sagen, das machen wir jetzt direkt und jetzt geht's los.

 

Anna-Lisa Bier: Hallo und herzlich willkommen zu Safe [00:00:40] Stories übers Investieren. Schön, dass ihr wieder eingeschalten habt. Wir sind mittlerweile in der achten Folge von Safe angekommen und wie auch in allen anderen Folgen davor sitzt mir der Alex gegenüber. Hi Alex.

 

Alexander Wastl: Grüß dich, Annalisa.

 

Anna-Lisa Bier: Ja, heute bin ich wieder mal an der Reihe und ich darf heute im Podcast einen von Österreichs größten [00:01:00] Podcastern begrüßen.

 

Anna-Lisa Bier: Andreas Sartor ist Host von Erklär mir die Welt und wir sprechen heute über seine Selbstständigkeit als Podcaster und warum sich Mut auch beim Investieren auszahlt.

 

Alexander Wastl: Boah, eine österreichische Podcastgröße bei uns im Podcast zu Gast. Jetzt haben wir es eigentlich geschafft. Können wir aufhören nachher, oder?

 

Anna-Lisa Bier: Nein, wir hören nicht auf, weil [00:01:20] wir kommen dann nachher noch zur Nachbesprechung. Ich glaube, das wird ein sehr, sehr cooles Gespräch. Und nicht vergessen: Im Nachgang sprechen der Alex und ich noch etwas ausführlicher über das Gespräch mit Andreas. Und ja, ich freue mich aufs Gespräch und freue mich aber auch, wenn wir uns später wieder hören, Alex.

 

Alexander Wastl: Ich freue mich auch. Bis dann.[00:01:40]

 

Anna-Lisa Bier: Hallo Andreas, herzlich willkommen zu Safe Stories übers Investieren.

 

Andreas Sator: Hallo Annalisa, danke für die Einladung.

 

Anna-Lisa Bier: Bevor wir über dich und deine Rolle als Podcaster sprechen, möcht ich zuerst einmal in deine Kindheit zurückgehen.

 

Andreas Sator: Na servas.

 

Anna-Lisa Bier: War Geld bei dir zu Hause eher ein offenes Thema oder etwas, [00:02:00] über das man nicht gesprochen hat?

 

Andreas Sator: Es wurde sehr wenig darüber gesprochen. Also ich komm von 'nem Bahnhof, also mein Papa hat immer, ähm, haupterwerbsmäßig, ähm, bei einem Automotorenwerk in Steyr gearbeitet. Kann man jetzt raten, was das ist. Und Nebenerwerbsmäßig den Bahnhof [00:02:20] geschmissen und, ähm, meine Mama war Hausfrau und hat sich auch viel um den Bahnhof gekümmert, äh, und um uns Kinder.

 

Andreas Sator: Und über Geld wurde eigentlich kaum gesprochen. Also ich weiß, dass ich erst vor ein paar Jahren mit meinem Papa, seit er in Pension ist, hat er irgendwie einen entspannteren Zugang dazu, hat er mir mal erzählt, wie viel Geld er eigentlich früher mit dem Bahnhof verdient [00:02:40] hat. Also früher, als ich Fragen hatte dazu und ich war immer schon neugierig und hab viele Fragen gestellt, auch als Kind, ähm, hat er nie, ist er nie drauf eingegangen.

 

Andreas Sator: Also über Geld wurde gar nicht gesprochen, aber ich kann mich sehr gut erinnern, mich hat's immer schon interessiert Also ich hab, äh, mit meiner Schwester auch so als Kinder Steine [00:03:00] gesammelt, die wir toll fanden und die haben wir dann vor unserem Haus, ähm, also Bauernhof war relativ vereinsamt, also da ist niemand außer mein Opa vorbeigegangen, haben wir dann so auf 'nem Tisch Steine verkauft und mein Opa war so großzügig und hat uns die Steine, die einfach am Boden liegen bei uns gekauft von uns.

 

Andreas Sator: Genau, also das war dann irgendwie immer schon cool und [00:03:20] hat man irgendwie, keine Ahnung, ein paar Schilling. Ähm, dann konnte man irgendwie, keine Ahnung, Kaugummi drum kaufen. Das fand ich immer schon cool, ja.

 

Anna-Lisa Bier: Aber das heißt, dass du, ähm, auch in Sachen zum Beispiel Sparen oder so, hast du da irgendwas mitbekommen von deiner Familie?

 

Andreas Sator: Gar nicht, nein. Also es auch das Einzige, ich bin in Niederösterreich aufgewachsen und das Einzige, was man [00:03:40] dann beim Sparen mitbekommt, ist, wenn man, ähm, Weltspartag bei der Raiffeisen irgendwie coole Geschenke bekommt oder Luftballons.

 

Anna-Lisa Bier: Ah, da kann ich mich auch noch erinnern, ja.

 

Andreas Sator: Aber sonst eigentlich kaum, ja.

 

Anna-Lisa Bier: Okay, wann hat sich das dann für dich gewendet? Gab's da so einen Moment, wo du das erste Mal gedacht hast: „Okay, Geld, was mach ich damit oder wie geh ich um?" [00:04:00]

 

Andreas Sator: Ja, bin mir nicht sicher. Also es war so, dass ich immer schon gerne so eigene Projekte gemacht habe. Das hat mich immer schon fasziniert, irgendwie mit anderen Leuten irgendwas auf die Beine zu stellen.

 

Andreas Sator: Und ich kann mich erinnern, ich habe in meiner Jugend sehr viel Fußballmanager gespielt. Also ich bin bis heute großer Fußballfan und Fußballmanager [00:04:20] war ein richtig geiles Spiel, wo man so Manager sein konnte und ein Team aufbauen und dann hoffentlich Erfolge feiern. Und mich hat da immer schon gestört, dass Österreich sehr stiefmütterlich behandelt wurde.

 

Andreas Sator: Also bei den ganzen österreichischen Spielern und Trainern gab's keine Fotos im Spiel und das Spiel war aber offen. Das heißt, man konnte als Spieler oder Spielerinnen, [00:04:40] ähm, selbst dann Fotos, äh, bearbeiten und die dann hochladen und dann hatte man plötzlich Fotos von den österreichischen Spieler:innen.

 

Andreas Sator: Braucht man nicht gendern, war eigentlich ein reines Männerspiel. Glaub ich nur männliche Fußballer und nur von Männern gespielt, vermute ich mal stark. Ähm, genau, und das hab ich gemacht für mich und hab's dann auch anderen zum [00:05:00] Download angeboten, hab über so Foren dann andere Spieler kennengelernt, mit denen das dann gemeinsam gemacht.

 

Andreas Sator: Und da haben wir dann so 'ne Fanseite gestartet und da auch Werbung, ähm, geschalten. Ähm- Nichts da v-- Also ich frag mich jetzt grad so, jetzt wo ich schon lange Unternehmer bin. Also wir hatten weder die Rechte für die Fotos der Spieler, noch hab ich [00:05:20] je Unternehmen gegründet oder irgendwas versteuert. Ist jetzt alles verjährt.

 

Andreas Sator: Es waren dann, glaub ich, so im Jahr 200 Euro, die wir bekommen haben für so Overlay-Werbung, die super nervig ist. Ich hab alles mit Werbung vollgekleistert, damit man 200 Euro ... Also ich weiß es nicht. 14, 15-jähriger war schon cooles [00:05:40] Geld und das war auch etwas, was mich sehr früh fasziniert hat, so was zu machen.

 

Andreas Sator: Und dann auf einmal hat man dann, hat man dann Geld. Genau, das hat mich dann immer- Also

 

Anna-Lisa Bier: spielerisch eigentlich dann.

 

Andreas Sator: Voll.

 

Anna-Lisa Bier: Okay, das heißt, das war so der Initial, der erste, quasi initial die erste Begegnung dann auch mit Geld, dass du selber Geld bekommst eigentlich.

 

Andreas Sator: Genau, bloß, ähm, ich musste eigentlich immer [00:06:00] arbeiten, sowohl in den, also Schüler, also später als Studierender, so, ähm- Nee, bin jetzt nicht verarmt aufgewachsen, aber Geld war jetzt nicht im Überfluss vorhanden.

 

Andreas Sator: Sind auch weniger auf Urlaub gefahren und so. Und es war immer klar, wenn du was willst, dann musst du dafür arbeiten. Und ich glaub, das war auch ein früher Berührungspunkt, zu [00:06:20] merken, ähm, dafür, dass irgendwie Geld im Sparbuch oder im Konto ist, muss man eigentlich ziemlich anstrengende Arbeit machen. Ähm, genau, also ich hab als Schüler immer nebenbei gearbeitet und das war so Berührungspunkt.

 

Andreas Sator: Plus ich bin mit 14 dann auf a Handelsakademie gegangen nach Steyr und da kommt man dann auch viel mit Wirtschaft und Geld in Berührung. [00:06:40] Ähm, haben auch auf der, auf der Schule so'n Börsenspiel gemacht. Hat mich auch fasziniert in Aktien anlegen und schauen, wie sich die dann entwickeln. Plus irgendwann ist so dazu gekommen, dass ich a sehr politischer Mensch wurde und ich glaube, dass wenn man nicht Wirtschaft und Finanzwelt und wie Unternehmen funktioniert, versteht, [00:07:00] dass man in der heutigen Zeit überhaupt keine, keine Möglichkeit hat zu verstehen, was auf der Welt passiert.

 

Andreas Sator: Also Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Ahnung von Wirtschaft hat man eigentlich keine Ahnung von, äh, der Welt. Genau, und das hat dann auch begonnen, dass mich einfach die Zusammenhänge sehr interessieren. Und ich hab dann maturiert, ähm, ein [00:07:20] Jahr nach der, nach der Pleite von Lehman Brothers, also der Bank, die die, ähm, US-Finanzkrise losgetreten hat.

 

Andreas Sator: Und das hat mich damals auch sehr interessiert, so wie funktioniert unsere Welt, wenn nur weil ein paar Leute, die eine Bank betreiben, wenn denen das Geld ausgeht und bl, und das ganz weit weg in den USA und [00:07:40] plötzlich, ähm, muss man sich bei uns Sorgen machen, ob man auf die eigenen Sparguthaben noch zugreifen kann.

 

Andreas Sator: Genau, das hat mich, das hat sich dann irgendwie immer weiter gesteigert. Ich hab später dann auch Volkswirtschaft studiert, ähm, und war dann Wirtschaftsredakteur beim Standard, hab dann jetzt mein eigenes Unternehmen auch schon vor Längerem gegründet. Genau, also irgendwie war das so, ich eigentlich nie so drüber nachgedacht, [00:08:00] aber eigentlich ein sehr so natürlicher Weg und a grundsätzliches Interesse an Geld, Wirtschaft, Unternehmertum.

 

Anna-Lisa Bier: Also es war ja dann eigentlich von null auf 100, oder? Also von eigentlich gar keine Informationen oder keinen Umgang, sag ich jetzt mal, mit Geld, dann eigentlich voll das Interesse geweckt. Mhm, voll. Okay, ja spannend. Ähm, bei dir ist es ja auch so, du [00:08:20] hast 2018 den ersten oder einen der größten Podcasts, äh, Erklär mir die Welt gegründet.

 

Anna-Lisa Bier: Äh, du feierst jetzt dann bald die 400. Folge. Gratuliere an der Stelle. Danke. Ähm, wie ging's dir dann mit dem Schritt in die Selbstständigkeit? Weil das ist ja an sich schon, allein das ist ja ein finanzielles Risiko. Ähm, hat sich da dein Sicherheitsgefühl dann auch noch mal gewandelt [00:08:40] oder auch dein Zugang zu Geld?

 

Andreas Sator: Mhm. Auf jeden Fall. Ähm, genau, gibt's ein paar interessante Punkte. Das Erste ist, ich hab's sehr langsam gemacht. Also ich hab immer Erklär mir die Welt begonnen als ein Projekt nebenbei. Mein Ziel war eigentlich, so einen Tag die Woche damit finanzieren zu können neben meinem Angestellten-Dasein. Ähm, [00:09:00] und hab auch Erklär mir die Welt, glaub ich, äh, fünf Jahre lang gemacht, bis ich meinen Job gekündigt hab.

 

Andreas Sator: Und da war's schon sehr groß und das hätt man auch zwei Jahre früher machen können, wär sich finanziell ausgegangen. Ähm, aber da ich eher konservativ aufgewachsen bin, so fin-finanziell und immer halt auch so, [00:09:20] was alles andere betrifft, äh, also offen und liberal wurd ich erst in Wien. Ähm, genau, also bin eher konservativ aufgewachsen und war da auch eher vorsichtig, ja.

 

Andreas Sator: Und meine Eltern waren da auch sehr ... Als ich meinen Job gekündigt hab dann, waren dann auch so: „Wie kann man 'n Job aufgeben bei einer renommierten Zeitung, die, wo man jedes Monat [00:09:40] Geld bekommt? Wie kann man da einfach aufhören damit?" Und dann, ähm, ja, ähm, hab sie aber sehr involviert in mein, in mein, ähm, auch meine Geschäfte, wie das funktioniert, wie viel ich damit verdiene.

 

Andreas Sator: Ähm, eher nicht nur meine Eltern, sondern das ganze Internet, weil ich leg das ja auch offen. Genau, und dann haben sie, sie sich beruhigt und das war auch bei mir so, [00:10:00] dass ich eigentlich ein sehr gutes Gefühl hatte und aber auch immer wusste, ähm, ich schneid jetzt nicht die Bande für immer durch. Also ich hab nach wie vor Fähigkeiten und Dinge, die für Unternehmen interessant sind.

 

Andreas Sator: Ich hab im Laufe der Jahre auch immer wieder Angebote bekommen, um irgendwo 'n Job anzunehmen und, ähm, [00:10:20] ich glaub, das in Summe hat mir sehr viel Sicherheit gegeben. Es ist schon ein ganz anderes Gefühl. Letztes Jahr zum Beispiel war wirtschaftlich nicht so easy. Ähm, und es ist schon eine andere Welt, wenn man sich darum kümmern muss.

 

Andreas Sator: Und zweiter Punkt, den ich gern machen möchte, ist schon, es verändert sich schon ein bissl der Bezug zu Geld. Ähm, also ich hab ja auch, [00:10:40] äh, Mitarbeiter:innen im Unternehmen oder wir ha... zahlen so externe, externe Produktionsagentur, ähm, die die Podcasts produziert und schneidet. Ähm, wir zahlen Kameraleute für Live-Events, ähm, haben eine Zusammenarbeit mit Missing Link, wo du ja auch arbeitest, wo grad dieser Podcast [00:11:00] produziert wird, ähm, wo auch ein Teil meiner Vermarktungs...,

 

Andreas Sator: also Missing Link macht die Vermarktung vom Podcast und bekommt dafür 'n Anteil der Erlöse. Und da geht's dann oft um so zigtausende Euro oder auch wenn man Rechnungen schreibt oder Rechnungen bekommt. Ähm, zum Beispiel war jetzt witzig, ähm, ein früherer [00:11:20] Videoproduzent, ähm Hat mich vor ein paar Tagen angerufen und gesagt: "Hey, Andi, wie geht's?"

 

Andreas Sator: Sehr gut mit denen verstanden. Ähm, haben sie dann gesagt: "Hey, ich hab ganz vergessen, dass ich da Rechnung stelle für das erste Halbjahr '25." Und ich glaub, so geht's vielen Unternehmer:innen, die so kleinere Unternehmen haben, wo sie nicht zwölf Leute, [00:11:40] Anwälte und Steuerberater haben, die jeden Tag schauen, sind Rechnungen beglichen worden oder gestellt worden.

 

Andreas Sator: Mir geht's auch oft so, dass ich im Nachhinein merke, okay, ich hab neun Monate lang keine Rechnung mehr geschrieben. Also man ist halt Unternehmer, man ist auch Journalist und man ist Führungskraft und man muss sich um 1.000 Dinge kümmern und da vergisst man das schnell. Genau, und da geht's dann jetzt bei der Rechnung, ich weiß nicht mehr [00:12:00] genau, ich glaube 13.000 Euro und dachte: „Okay, shit, wo krieg ich jetzt die 13.000 Euro her?“

 

Andreas Sator: Aber das verändert auch ein bissl was, ähm, mit dem, wie man Geld selber wahrnimmt. Weil früher waren für mich 100 Euro sehr viel Geld, ist noch immer sehr viel Geld. Ähm, also jetzt nicht, dass ich in großem, ähm, Reichtum und Wohlstand lebe und eine Jacht in Monaco [00:12:20] stehen hab.

 

Anna-Lisa Bier: Das wissen wir, glaub ich,

 

Andreas Sator: schon.

 

Andreas Sator: Aber es macht einen Unterschied, wenn man dann eine Rechnung bekommt für 13.000 Euro oder eine stellt für 4.000 Euro, dann ist irgendwie so, wenn was 12 Euro kostet, dann ist eigentlich wurscht. Also muss man auch sehr aufpassen, dass man ... Weil geht's um diese großen Beträge, man hat hohe Ausgaben, man hat hoffentlich noch viel [00:12:40] höhere Einnahmen.

 

Andreas Sator: Die muss man dann alle auch versteuern, dann muss man viel an die Sozialversicherung zahlen, dann braucht man Polster, weil einmal ist es mehr, einmal ist es weniger, dann verdient man ein paar Monate vielleicht gar kein Geld. Genau, und da muss man aufpassen, dass nicht 1.000 Euro irgendwie so ein bissl eine irrelevante Summe werden, auch im Privatleben, ja.

 

Anna-Lisa Bier: Also ich glaub, da ist ja dann der Umgang oder einfach die [00:13:00] Wahrnehmung von Geld wahrscheinlich ein ganz, eine ganz andere, weil wenn du fix irgendwo wahrscheinlich angestellt bist, kriegst du einfach monatlich, kannst dich eigentlich darauf verlassen, dass du dein Gehalt bekommst und du hast aber im Hintergrund ganz viele unterschiedliche Geldwege, sag ich jetzt mal.

 

Anna-Lisa Bier: Ich glaub, das, das kommt dann noch dazu. Du hast es eh auch angesprochen: Du legst auf deiner Website Jahr für Jahr eigentlich jeden Cent offen, den du einerseits [00:13:20] durch Werbeeinnahmen bekommst, aber auch durch andere Aufträge wie Moderationen und so weiter. Was steckt hinter dieser Entscheidung?

 

Andreas Sator: Genau, also der Schritt, ähm, in die Selbstständigkeit als Journalist war auch einer, wo ich 'n Graubereich betreten habe.

 

Andreas Sator: Als Journalist ist es ja prinzipiell so, wenn man bei 'm großen [00:13:40] Medium, bei 'ner Zeitung angestellt ist, dass es eine klare Trennung gibt zwischen den Menschen, die sich um den Verkauf von Anzeigen, ähm, kümmern oder um die Geschäfte des Unternehmens und die Menschen, die eine Zeitung mit journalistischen Inhalten befüllen.

 

Andreas Sator: Also mir früher als Redakteur. Also ich hab nie einen Kunden, ich hab nie Hofer angerufen und gesagt: „Hey, wollt ihr [00:14:00] nicht neben meinem Artikel Werbung schalten?“ Ähm, genau, mit'm Schritt in die Selbstständigkeit war's dann schon so, dass ich plötzlich nicht mehr nur der Journalist war, ähm, oder wenn man in der Analogie beim Medium bleiben möchte, dann quasi der Chefredakteur von meinem eigenen Medium, sondern ich war auch der Eigentümer, ähm, ich war auch der Geschäftsführer [00:14:20] und, ähm, hab mich auch um Kooperationen gekümmert.

 

Andreas Sator: Also heute ist es schon so, dass ich, ähm, Unternehmen anschreibe und sie frag: „Hey, wollt ihr nicht 'ne Kooperation mit uns machen?“ Genau. Und das ist ein Graubereich und mein wichtigstes Gut als Journalist oder das wichtigste Gut aller Journalist:innen ist Vertrauen. Ähm, also nur wenn die [00:14:40] Menschen Vertrauen in meine Arbeit haben, dann konsumieren sie mich auch.

 

Andreas Sator: Weil warum sollte ich einen Podcast hören, wo ich das Gefühl hab, ich werd eigentlich verarscht? Oder die Person sagt zwar A, aber denkt eigentlich B. Genau und da war die, die Idee dann, ähm, ich glaub, der einzige Weg, das aufzulösen, ist, komplett transparent zu machen, wie wir arbeiten, wie bei uns Werbung [00:15:00] geschaltet wird, wie die gekauft wird, ähm, welche Kooperationen wir machen, was wir nicht machen, was Ausschlussgründe sind für Zusammenarbeiten.

 

Andreas Sator: Zum Beispiel hab ich, glaub, ich mache den Podcast jetzt schon acht Jahre, ähm, glaub ich hunderte Male, ohne zu übertreiben, Anfragen abgelehnt, wo's drum ging: „Hey, ähm, [00:15:20] unser Geschäftsführer würd gern in deinen Podcast kommen. Ähm, was kostet das?" Ja, also wär'n wir schon sehr reich, wenn wir das immer angenommen hätten oder vielleicht auch nicht, weil dann hätten, glaub ich, die Leute aufgehört, den Podcast zu hören, weil das merkt man, ob ich die Person ausgesucht hab, weil man denkt, das ist die spannendste Kopf, mit dem ich grade reden möchte oder ob du mir jetzt Geld gibst, damit [00:15:40] ich, ähm, dich interviewe in meinem Podcast.

 

Andreas Sator: Genau, und da ist das Sinn, die Idee der Transparenz: Hier so arbeiten wir, diese Unternehmen haben Werbung geschalten oder auch diese Ministerien. Da wird's ja noch heikler, wenn's politische Entitäten sind. Und dann könnt ihr selber entscheiden, ähm, und beurteilen, ob ihr mir vertraut. Schaut's euch an, die Inhalte, die ich mache.

 

Andreas Sator: Habt ihr das [00:16:00] Gefühl, die Werbefirmen haben da Einfluss oder nicht? Genau, das ist so die Grundidee.

 

Anna-Lisa Bier: Also aus Sicht der Podcast-Branche kann man da eigentlich sagen, dass du da eigentlich eine Pionierarbeit geleistet hast, weil ich glaub, das hat auch dazu beigetragen, dass Podcasts, wie sie heute wahrgenommen werden, ähm, damals das quasi überhaupt einmal klargelegt oder dargelegt hat, wie, dass man mit Podcasts überhaupt Geld verdienen kann.

 

Anna-Lisa Bier: Deshalb, [00:16:20] ähm, glaub ich, dass das dadurch, dass du das seit Jahren machst, ist das sehr, sehr wichtig gewesen. Hast du da auch Gegenwind bekommen, dass sich die Leute das dann anschauen und sagen: „Okay, na gut, du verdienst eh das und das und das", bla, bla,

 

Andreas Sator: bla. Ja, schon. Ich kann mich nicht mehr konkret erinnern.

 

Andreas Sator: Ist schon länger nicht passiert, aber war durchaus so, ja, dass Leute, ähm, mich dafür auch [00:16:40] kritisiert haben, mit wem ich zusammenarbeite oder auch dafür, wie viel Geld ich verdiene. Teilweise waren's ja wirklich über 100.000 Euro auch, die an Gewinn übrig geblieben sind pro Jahr. Ähm, genau, dann wird man schon auch dafür kritisiert, aber ja, das ist okay.

 

Andreas Sator: Also ich als Person, die im Internet Inhalte veröffentlicht, ist das das [00:17:00] Harmloseste, was einem passiert. Genau, also da ist man durchaus anderes gewohnt und ich find's auch interessant, dann die Punkte zu hören, die Kritik zu hören. Manches ist wirklich interessant. In diesen Fällen ist es aber oft auch einfach Neid oder es ist Unverständnis, also wie das funktioniert.

 

Andreas Sator: Oder also wenn man Unternehmen betreibt, dann hat man auch viel mehr [00:17:20] Risiko, als wenn man jetzt angestellt ist und über, wenn wir über Geldanlage dann reden, ist es auch so ohne, äh, also ohne Risiko gibt's auch keine Rendit. Also wenn man immer ganz safe spielt, dann bekommt man mit seiner Geldanlage keine Rendite und wenn man immer safe spielt, ähm, dann gründet man auch kein Unternehmen.

 

Andreas Sator: Also ich find's [00:17:40] einfach, keine Ahnung, mit dem Ganzen, was ich jetzt drüber weiß, wie ein Unternehmen funktioniert und was das alles heißt, find ich's auch legitim, ähm, dass man damit mehr verdient als mit einem Angestelltenjob. Ähm, sonst würd's nämlich, glaub ich, auch niemand machen, weil's ist schon angenehmer zu wissen, dass man am Monatsende Geld bekommt, als dass man sich selber drum kümmern [00:18:00] muss oder man jetzt irgendwo noch 14.000 Euro schnell auftreiben muss für eine alte Rechnung.

 

Anna-Lisa Bier: Das, äh, glaube ich und, ähm, ich glaub, das interessiert auch eben unsere Hörer:innen. Wie oder wann kam's dann zu deinem ersten Investment? Also ich mein, wir haben über den Fußballmanager gesprochen. Wann waren dann wirklich die ersten konkreten Investments, wo du gesagt hast: „Okay, ich [00:18:20] nehm jetzt mein eigenes Geld wirklich in die Hand und, äh, leg's an", oder wie auch immer.

 

Andreas Sator: Das ist eigentlich, hat das sehr, sehr lange gedauert. Ähm, also ich hatte in meine 20ern nie besonders viel Geld, weil ich dann teilweise Teilzeit gearbeitet habe oder ich bin in Bildungskarenz gegangen und hab die Ersparnisse, die ich hatte, wieder verbraucht. Aber es [00:18:40] war dann schon so, dass mir mit meinem Job beim Standard immer bissl was übrig geblieben ist und das hat sich dann im Laufe der Jahre, ähm, vermehrt und irgendwann war ich so an dem Punkt: Okay, ich möcht jetzt zumindest, ich glaub, ich hat, ich vermute mal so, ich glaub, ich hatte so 20.000 Euro und ich hab gedacht, ich möchte jetzt 10.000 Euro anlegen.

 

Andreas Sator: Okay.

 

Anna-Lisa Bier: Aber das ist [00:19:00] ja schon eine große Summe gleich mal, um mit 10.000 Euro zu starten, oder?

 

Andreas Sator: Genau, aber ich war damals, glaub ich, 27 oder so. Ja, genau. Also ich war nicht mehr ganz so jung, ähm, und hab da schon vier oder fünf Jahre, ähm, gearbeitet. Und da war dann für mich der Punkt, ich wusste, ich sollt mich mal [00:19:20] drum kümmern.

 

Andreas Sator: Also ich sollt mich mal damit beschäftigen, wie ich das eigentlich machen möchte, also langfristig. Und wie so vielen anderen ging, ähm, sind da die Jahre vergangen und hab's aber nie getan und hab mir dann gedacht: „So, ich mach jetzt, ähm, ich mach jetzt 'n Trick. Ich bin ja Wirtschaftsredakteur und ich schreib jetzt einfach [00:19:40] darüber, wie ich mein Geld anlege."

 

Andreas Sator: Ähm, da hab ich nämlich den Vorteil, ich kann mit lauter Expertinnen darüber sprechen, was für mich sich eignet. Ähm, ich kann lesen, recherchieren, ähm, die Termine, die ich bei der Bank wahrnehme, kann ich in meiner Arbeitszeit machen, weil ich schreib dann einfach drüber, wie das war und so hab ich das dann, [00:20:00] ähm, auch gemacht.

 

Andreas Sator: Genau, und das war dann eigentlich der Punkt, wo ich dann ... Also es war dann nicht so bahnbrechend anders, als ich mir das vorhin schon gedacht hab, weil ich immer schon gerne drüber gelesen hab. Aber das war dann der Punkt so, ich weiß jetzt, wie ich mein Geld anleg und hab dann die 10.000 Euro, hab auch im Standard drüber geschrieben in einer Serie namens „Ka-Ching".

 

Andreas Sator: Übrigens Grüße an [00:20:20] meine ehemalige Kollegin Daniela Rohn, die denn die Idee hatte für den Titel. Find ich noch immer geil. Ka-Ching. Genau, und hab da so siebenteilige Serie darüber geschrieben und das ist so gut angekommen. Also Leute haben das geliebt. Natürlich hat's auch viele Menschen gegeben, die mich kritisiert haben als Kapitalistenschwein, weil ich hab auch drüber geschrieben, warum's okay ist, Kapitalist zu sein.

 

Andreas Sator: [00:20:40] Ist ja in Österreich ein Kapitalverbrechen. Genau, und das hat aber, ähm, ich weiß nicht mehr ganz genau, aber ich weiß noch, ich hab mir dann am Jahresende, äh, bei uns intern im Standard die Statistiken ausheben lassen, ähm, wie viele Leute das angeschaut haben. Und es waren hunderttausende Menschen und das waren die Artikel teilweise bei den [00:21:00] meistgelesenen, ähm, die der Standard überhaupt das ganze Jahr über Ähm, publiziert hab, ähm, hab mir nämlich auch ausheben lassen, weil ich war damals schon strategisch klug.

 

Andreas Sator: Mir war klar, ich geh jetzt in Bildungskarenz und danach komm ich zurück und ich möchte neu verhandeln, was ich mache und dann kann ich vorlegen: Hey, ich hab, ähm, [00:21:20] wenn ihr mich arbeiten lässt, wie ich möchte, dann kann ich coolen Scheiß machen, den die Leute interessiert. Genau, also das war damals echt-

 

Anna-Lisa Bier: Aber wie hast du's angelegt dann?

 

Andreas Sator: Genau, das war angelegt einfach, ähm, ganz simpel in einen breiten Aktien-ETF, also dem über 2.000 Unternehmen drinnen sind, wo's ein bissl egal ist, wenn eines mal pleite [00:21:40] geht. Ähm, wie bei ganz vielen dieser Indizes, äh, großen Schwerpunkt auf die USA, aber auch viele Unternehmen drinnen aus Europa, aus China, ähm, aus Indien, äh, Südamerika und Co.

 

Andreas Sator: Also ganz breit die Welt, der die Weltwirtschaft abbildet. Genau. Und

 

Anna-Lisa Bier: da hast du komplett die 10.000 Euro direkt [00:22:00] nur da hinein?

 

Andreas Sator: Genau, ja.

 

Anna-Lisa Bier: Respekt.

 

Andreas Sator: Genau, weil es war bissl so mein Ding, ähm, ich glaub, ich brauch's länger nicht.

 

Anna-Lisa Bier: Mhm.

 

Andreas Sator: Das war auch so 'n Ergebnis der Recherche. Geld, das man länger nicht braucht, legt man am besten in Aktien an.

 

Andreas Sator: Mir war klar, ich krieg jetzt nicht in drei Jahren schon 'n Kind. Ich kauf mir, glaub ich, auch keine Immobilie. Hab in der Serie dann auch drüber geschrieben, warum. [00:22:20] Also auch so mieten oder kaufen, was ist finanziell besser, da mich damit beschäftigt. Also mir war klar, das brauche ich die nächsten acht Jahre sicher nicht und das ist eher so ein Horizont, wo Anlageexpertinnen sagen, dann leg's in Aktien.

 

Andreas Sator: Genau. Und hab eben auch, ähm, glaub ich, die andere Hälfte meines Ersparten dann am [00:22:40] Konto liegen lassen. Mich hab ich später auch damit beschäftigt, wie man das besser machen kann.

 

Anna-Lisa Bier: Okay.

 

Andreas Sator: Genau, aber ich hab wirklich dann die Hälfte meines Vermögens in, ähm, in einen Aktien-ETF gebuttert, ja.

 

Anna-Lisa Bier: Wie ging's dir da, wenn du in einem Sitz quasi 10.000 Euro einzahlst?

 

Anna-Lisa Bier: Weiß nicht, wie hast du dich da gefühlt?

 

Andreas Sator: Ähm, ich glaub, mir ging's anders [00:23:00] als anderen Leuten da beim ersten Mal geht, weil ich mich auch auf der Uni schon viel mit der Geschichte von Aktienmärkten und so beschäftigt habe und mir sehr klar war, auch wenn das jetzt total nach unten, ähm, geht, dass es einfach früher oder später, außer wirklich die ganze Weltwirtschaft kollabiert nachhaltig, ähm, dass [00:23:20] es immer wieder nach oben geht.

 

Andreas Sator: Und da hilft auch, also ich hab auch in Wirtschaftsgeschichte meine Abschlussarbeit auf der Uni geschrieben, ähm, und das hilft einfach, wenn man weiß, okay, es gab die Influenza-Pandemie in den 1910er Jahren, wo, weiß ich nicht wie viel, 15, 20 Millionen Leute gestorben sind. Die, [00:23:40] ähm, es gab Weltkriege, es gab, ähm, ganz viele andere Konflikte und immer wieder hat sich die Börse erholt.

 

Andreas Sator: Also solange die, die, die globale Wirtschaft irgendwie funktioniert, solange kann man irgendwie an den, ähm, steigenden Gewinnen von Unternehmen auch partizipieren [00:24:00] als Aktienbesitzer. Und manchmal gibt's dann auch so Sorge darum, ah, sollte man das Licht nicht lieber in was Greifbares geben, wie Gold zum Beispiel, ähm, weil viele-- Oder in 'ner Wohnung, weil viele Leute Angst haben, irgendwann bricht alles zusammen.

 

Andreas Sator: Und da, diese Angst hab ich erstens nicht, weil ich glaub, dass, [00:24:20] ähm, unsere Welt sehr resilient ist. Und zweitens, falls alles zusammenbricht und 'ne Atombombe auf unserem Kopf landet oder ein Weltkrieg ausbricht, dann ist es a bissl wurscht, ob man Immobilie hat, weil die wird auch weggebombt oder man muss flüchten und das Gold hilft einem dann wahrscheinlich auch nicht sehr.

 

Andreas Sator: Also ich glaub, die Einzigen, die vielleicht fein raus sind, [00:24:40] sind so reiche Milliardäre, die sich irgendwo in der Seeland auf einer Insel, ähm, mit ihrem Privatjet verschanzen. Aber ich glaub, das Privileg haben die wenigsten von uns.

 

Anna-Lisa Bier: Wie gesagt, du hast keine Jacht in Monaco.

 

Andreas Sator: Noch nicht.

 

Anna-Lisa Bier: Genau. Ähm, also ich merk schon, dass bei dir so 'n bissl Wissen ist Macht.

 

Anna-Lisa Bier: Ähm, und grad bei deinem Podcast, [00:25:00] äh, fragst du ja immer wieder Expertinnen oder eigentlich immer Expertinnen zu gewissen Themen und die erklären dir dann gewisse Sachen. Hilft dir dieses Wissen dann dabei zu investieren oder macht dich das dann vielleicht eben genauso umso unsicherer?

 

Andreas Sator: Ähm, es macht mich weder sicherer noch unsicherer, weil obwohl ich, also ich les jede Woche den Economist, ich les ganz viel [00:25:20] Wirtschaftsnachrichten.

 

Andreas Sator: Ich finde, dass man sich mit wirtschaftlichen Veränderungen wie jetzt zum Beispiel in KI oder im Batteriebereich, ähm, Solarbereich, glaub, dass das so große Veränderungen sind, die unser aller Leben beeinflussen, dass das für mich auch als, also mich interessiert so das Politische immer viel mehr als jetzt einfach nur womit [00:25:40] kann man jetzt cool Geld verdienen.

 

Andreas Sator: Also ich find's beeindruckend immer, wenn jemand ein Unternehmen aufbaut und damit viel Geld verdient, aber das ist für mich selber irgendwie kein Antrieb. Ich find's eher spannend, wie Technologien oder Unternehmen die Art und Weise, wie wir, äh, kommunizieren oder miteinander leben, wie unsere Welt organisiert ist, verändern.

 

Andreas Sator: Und am Ende des [00:26:00] Tages, es klingt so kitschig, aber ich, es ist bei mir wirklich so, mich interessiert einfach, wie können wir alle ein gutes Leben führen. Und da hat Wirtschaft viel Einfluss, kann viel negativ, aber auch positiv beeinflussen. Genau, und das ist der Hauptantrieb, warum ich mich, ähm, auch mit Börsen beschäftige oder warum ich's sehr spannend find jetzt, ähm, soll ja SpaceX an die Börse [00:26:20] gehen.

 

Andreas Sator: Das, ähm, interessiert mich extrem, da nachzulesen, aber nie, weil ich mir jetzt denke, ich möcht selber anlegen. Weil, ähm, bei mir ist eigentlich so eh, obwohl mich das Thema so interessiert, ich beschäftig mich mit meiner eigenen Geldanlage eigentlich überhaupt nicht.

 

Anna-Lisa Bier: Mhm.

 

Andreas Sator: Also ich weiß, dass ich Geld, das ich lange nicht brauche, in, ähm, [00:26:40] breite globale Aktien-ETFs gebe.

 

Andreas Sator: Ich weiß, dass ich Geld, das ich kurzfristig brauche, in, ähm, kurzfristig laufende Anleihen-ETFs gebe. Können wir auch gerne noch drüber reden. Uuund, ähm, der Rest ist mir eigentlich a bissl egal. Also ich änder daran nichts. [00:27:00] Ich, ähm, hab Freunde, die ganz viel Zeit verwenden und sagen: „Jetzt Nvidia kaufen, der Deal deines Lebens."

 

Andreas Sator: Oder auch alte Kollegen, ähm, bei der Zeitung, die sich ständig mit Bitcoin beschäftigt haben. Ich glaub, das ist-- Also manchmal hat man dann Glück und es, es geht gut aus, aber da kann man auch Lotto spielen. Ähm, und ich glaub einfach, ein Normalo hat [00:27:20] viel zu wenig Ahnung, um tatsächlich die Profis an der Börse zu schlagen.

 

Andreas Sator: Ähm, und genau, mir macht das auch keinen Spaß. Es gibt ja viele, die machen das auch fürs Ego, weil man sagen kann: „Boah, ich hab den Markt geschlagen. Sieht aus wie neugeboren, so geil." Ähm, genau, mich juckt das wenig und ich glaub, auch im Durchschnitt macht man damit keine guten Ergebnisse und da ist die [00:27:40] Lebenszeit irgendwie anders besser eingesetzt.

 

Andreas Sator: Drum beschäftige ich mich, ähm, kaum damit und drum hilft mir mein Wissen auch bei der Anlage nicht. Also außer grundsätzlich einmal verstehen, ähm, wie funktioniert a Unternehmen, was ist a Aktie, was ist a ETF. Dann legt man sein Geld so an und dann schaut man immer, je nachdem, in welcher Lebensphase man grad ist, lässt man's noch [00:28:00] drinnen oder gibt man's raus, ähm, tauscht man's ein gegen Anleihen oder was auch immer.

 

Andreas Sator: Und den Rest ignorier ich eigentlich und kann in Ruhe leben. Und ich schau eigentlich auch selten Drauf. Also es war am Anfang so, am Anfang hat's mich sehr beschäftigt. Das war irgendwie jeden Tag wie Casino spielen. So: „Ui, es ist um zwei Prozent [00:28:20] gestiegen. Das sind ja dann gleich 200 Euro, um Gottes willen."

 

Andreas Sator: Aber heute, ich glaub, ich glaub, ich hab wirklich zwei Jahre nicht geschaut, wo das steht, weil's irrelevant ist, weil ich's sowieso langfristig halte und jetzt, ob's ein bissl steigt oder fällt, ist wirklich egal.

 

Anna-Lisa Bier: Aber hast du dann Sparpläne, wo du auch einzahlst dann?

 

Andreas Sator: Nein, ich mach's immer am Ende des Jahres beziehungsweise dann [00:28:40] im, ich glaube, Ende März kommt bei mir, macht meine Steuerberaterin immer den Jahresabschluss und dann weiß ich, was übrig geblieben ist und dann schaue ich immer.

 

Andreas Sator: Als Unternehmer ist dann eh noch mal bisschen was anderes, weil ich auch immer schauen muss, dass der Cashflow passt. Und mir bringt's ja nix, wenn ich am Ende des Jahres genug Geld verdiene, wenn ich dann Mitte des Jahres [00:29:00] das Urlaubsgeld meiner Mitarbeiterin nicht zahlen kann. Das heißt, ich hab heute viel mehr auch Cashflow, ähm, also viel einfach in Cash am Konto, am Unternehmenskonto liegen, als ich das als Privater machen würde.

 

Andreas Sator: Und das zahlt sich bei mir dann auch nicht aus, dass ich das jetzt kurzfristig in irgendwie Staatsanleihen anlege. Das, das [00:29:20] freut mich nicht. Das sind immer, das machen große Unternehmen, aber das ist bei mir wenig sinnvoll. Genau, ja.

 

Anna-Lisa Bier: Okay, das heißt, du bist nach wie vor den ETFs eigentlich dann treu geblieben von Anfang an bis jetzt.

 

Andreas Sator: Ja, vor allem weil ich mein Leben lang machen, das weiß ich jetzt schon.

 

Anna-Lisa Bier: Okay und ansonsten, also du hast dann nie irgendwie probiert, dass du in Gold investiert hättest oder so. Du warst immer wirklich, dass du gesagt hast: „Es geht passt, [00:29:40] ETFs passen für mich." That's it.

 

Andreas Sator: Genau, der einzige Ausnahme war ein Freund von mir hatte so eine Goldmünze, die war ein paar 100 Euro wert und der hat gesagt, er möchte die verkaufen, hat er mir erzählt und da hab ich gesagt so: „Ich kauf's dir ab."

 

Andreas Sator: Einfach so, ich gar nicht so viel drüber nachgedacht, aber es ist schon so, ähm, was man manchmal hört bei, ähm, [00:30:00] bei Menschen, dass man so bissl Gold beimischt, um in Summe die Streuung noch zu erhöhen zwischen den, ähm, Anlagetiteln, die man hat. Genau, man macht ein bissl Gold zu Hause haben. Warum? Warum nicht?

 

Andreas Sator: Aber gleichzeitig, ich will auch nicht viel Gold zu Hause haben, weil jetzt ist es so bei mich, wer ausraubt, findet er eigentlich außer ein paar [00:30:20] peinliche Bilder nicht viel bei mir in der Wohnung und der sollte auch nicht viel Gold finden bei mir.

 

Anna-Lisa Bier: Sehr gut. Vor allem jetzt nicht, wenn wir über, im Podcast drüber reden.

 

Anna-Lisa Bier: Ja. Ähm, okay, gut. Aber das heißt auch, wenn du zum Beispiel sagst, SpaceX oder so, das interessiert dich, wie auch immer, da würdest du dann auch nicht dran denken, dass du sagst, okay, du investierst jetzt in Einzelaktien.

 

Andreas Sator: Genau, weil ich auch die Fa-- Also ich bin ein [00:30:40] großer Nerd und ich lese tatsächlich in meiner Freizeit gerne Studien und ich kenne die Studienlage sehr gut zum Thema Anlegen und es ergibt einfach für ein Normal Otto Normalverbraucher keinen Sinn, sich einzelne Titel zu kaufen, wenn's nur drum geht, dass man Geld verdient, weil's einfach professionell Menschen gibt, die sich ständig damit beschäftigen, wie sich die Börse [00:31:00] entwickelt, wie sich bestimmte Branchen entwickeln, wie sich Unternehmen in diesen Branchen entwickeln.

 

Andreas Sator: Die machen tagein, tagaus nichts anderes, als sich anzuschauen: Ist jetzt der Aktienkurs von diesem Unternehmen gerechtfertigt, zu billig oder zu teuer? Und das ist ein bissl wie bei mir, ähm, ich kenn mich mit Podcasts sehr gut aus und, ähm, ein Otto [00:31:20] Normalverbraucher kann mich nicht darin schlagen, einen guten Podcast zu machen.

 

Andreas Sator: Und genauso wenig probier ich, die Leute zu schlagen in den Gebieten, wo sie sich gut auskennen. Und wenn jetzt eine Aktie, also ist ja oft dann so das Argument: Okay, Solar, Solartechnologie ist die Zukunft, drum sollten wir jetzt die Aktien kaufen. Das Ding ist nur, bis man selber draufkommt, dass das die [00:31:40] Zukunft ist, haben das die Leute, ähm, die sich damit auskennen, schon zehn Jahre früher erkannt, die Aktien schon gekauft, dann sind sie schon teuer und dann kaufe ich's eigentlich zu teuer.

 

Andreas Sator: Also das, ähm, ergibt eigentlich, wenn man, wenn's drum geht, dass man finanziell kluge Entscheidungen trifft, ergibt das wenig Sinn, sich's einzelne Aktien zu kaufen.

 

Anna-Lisa Bier: Okay, dann, dann [00:32:00] weiß ich das auch. Ähm, ich wollte mit dir auch über KI generell reden, weil du ja sehr offen da bist, auch sehr experimentierfreudig und ich krieg halt immer wieder mit, dass du Erfahrungsberichte postest und auch schilderst, wie du die unterschiedlichsten Tools einsetzt.

 

Anna-Lisa Bier: Machst du das beim Investieren auch oder wie du vorher gesagt hast, machst du da, lässt du da gar nichts ran?

 

Andreas Sator: Ähm, ja, was ich schon mache, ich lass, [00:32:20] ähm, es ist eh peinlich, aber es ist bei mir immer so ein, ist auch so ein schmaler Grad zwischen Privatsphäre schützen, Daten schützen und gleichzeitig diese Tools nutzen.

 

Andreas Sator: Also ich hab zwar, ähm, das kann man bei OpenAI machen, ähm, auswählen, dass die eigenen Daten nicht zum Trainieren vom Modell verwendet werden. [00:32:40] Claude, bei Claude ist das auch so. Das sind die zwei Tools, ChatGPT und Claude, die ich am meisten verwende. Und Claude ist zum Beispiel super, um sie, um Dokumente hochzuladen, ähm, Bankauszüge oder Kreditkartenberichte und sich dann anzuschauen, wie, ähm, wofür gebe ich eigentlich mein Geld aus?

 

Andreas Sator: Erkennst du [00:33:00] Muster? Und da stellen wir das mal zusammen, wie viel ... Also ich gehe jeden Tag in der Früh ins Kaffeehaus lesen. Das ist so mein Start in den Tag und, ähm, ja, wie viel Geld gebe ich eigentlich für Kaffeehäuser aus? Ich hab keine Ahnung, aber dank Claude weiß ich es. Und das war schon so ein schmaler Grad.

 

Andreas Sator: Soll ich jetzt wirklich meine, äh, Kreditkartenabrechnungen bei Claude hochladen? Ich hab's dann gemacht. [00:33:20] Ähm, im Zweifel scheiß ich dann immer auf Datenschutz. Aber, ähm, ja, ist jetzt keine Empfehlung an jeden, das zu tun. Vielleicht sollte man es vorher zumindest schwärzen. Hab ich auch nicht gemacht, aber ich find's dann schon extrem interessant dafür.

 

Andreas Sator: Ich find's auch sehr interessant, ähm, zum Beispiel hab ich mir begonnen, [00:33:40] ähm, weil ich ein Nerd bin und mich das interessiert. Ich hab mir so ein Google Sheet aufgesetzt, wo ich dann immer eingetragen habe, wann ich welche, äh, ETF gekauft habe. Dann hab ich immer so die durchschnittliche Inflation eingetragen und wie viel Tage ich das halte und mir dann ausgerechnet, ähm, wie viel, äh, reale Rendite hab ich [00:34:00] eigentlich auf meine Anlage.

 

Andreas Sator: Und das kann jetzt die KI machen. Das ist so, so was lass ich mir auch von der, von der KI berechnen. Ähm, und ansonsten, weil ich relativ wenig mich mit meiner Geldanlage beschäftige, brauch ich die KI dafür auch nicht. Genau. Was mir jetzt noch einfällt, ist, was ich schon mache, aber [00:34:20] dafür, dazu zwingt mich der Gesetzgeber.

 

Andreas Sator: Wenn man Unternehmer ist, dann kann man jedes Jahr, ähm, ich glaub, sechs Prozent von seinem Gewinn. Ich weiß es nicht, gibt's ein paar Freibeträge, bla, bla, bla. Kann man einen Teil seines Gewinns anlegen in sehr sichere Papiere und dafür zahlt man dann, wenn man das vier Jahre lang hält, keine [00:34:40] Einkommensteuer drauf.

 

Andreas Sator: Das heißt, das mach ich auch. Das heißt, nach vier Jahren verkauf ich's dann und geb's dann in meine sinnvollere Anlage, weil man da viel mehr Rendite bekommt. Und das muss man dann in so Papiere geben, die auch relativ hohe Gebühren haben. Ähm, aber ist noch immer besser, Steuern drauf zu zahlen. Genau, also das mach ich auch und auch ein Teil meiner [00:35:00] Anlage ist deshalb in so Fonds, in die ich aber nur investiere, weil so a, a breiter Aktien-ETF für den Gesetzgeber zu riskant wäre und in dem Gewinnfreibetrag nicht investierbar ist.

 

Andreas Sator: Genau. Ja, ist aber eigentlich, glaub ich, für die Hörer nicht so spannend.

 

Anna-Lisa Bier: Aber das Nerdewissen, das passt schon. Irgendwer da draußen braucht es vielleicht. Wer weiß. Ich [00:35:20] möcht jetzt eigentlich, weil das klingt ja alles ... Ich weiß, du kennst dich gut aus. Gab es in dieser Zeit, wo du jetzt investiert hast, auch Rückschläge?

 

Andreas Sator: Ähm, eigentlich Ja, also wenn die, wenn die Weltwirtschaft si-sich schlecht entwickelt oder die Börsen, dann entwickelt sich auch meine Anlage schlecht. Das heißt, es war schon, also Corona war, ist alles sehr stark gesunken, [00:35:40] aber, ähm, darüber freue ich mich eigentlich nur. Ähm, also nicht, dass es die Pandemie gab, das war furchtbar.

 

Andreas Sator: Aber wenn die, das hat, glaub ich, Warren Buffett mal gegeben, ähm, wenn man das Geld nicht braucht, gibt's eigentlich, sollte man sich als Anleger immer nur freuen über, ähm, niedrige Kurse, weil das [00:36:00] heißt, man kann billig kaufen und teure Kurse bringen mir heute nix, weil das hat ja nix damit zu tun, wie's in 20 Jahren oder in, ähm, also nicht 40 Jahren, wenn ich in Pension gehe auf meiner Jacht in Monaco

 

Andreas Sator: Ich möcht nicht nach Monaco, ist furchtbar, glaub ich. Aber genau, also W-Warren Buffett hat das, glaub ich, so, äh, schön beschrieben: Man soll sich eben immer nur über, [00:36:20] über fallende Kurse freuen, außer man braucht das Geld. Und meine Aktienlage ist sehr langfristig. Ich möcht das eigentlich nicht angreifen.

 

Andreas Sator: Deshalb hab ich dann auch, ähm, bei der Corona-Pandemie, ich wusste, die Welt wird nicht untergehen oder ich war mir relativ sicher, die Welt wird nicht untergehen und hab damals dann eigentlich viel zugekauft und das hat sich [00:36:40] sehr ausgezahlt, ähm, weil die Welt ist nicht untergegangen. Die, die Börsenkurse sind wieder viel höher als vor der Pandemie.

 

Andreas Sator: Genau, und so Rückschläge gab's dann eigentlich nicht, außer dass halt manchmal auf und ab geht, aber das ist eigentlich ja ziemlich wurscht, ja.

 

Anna-Lisa Bier: Okay. Und was hast du im Laufe deiner Investmentreise über dich selber gelernt?

 

Andreas Sator: Wenn ich drüber nachdenke, glaub ich, hat's mich bestätigt [00:37:00] in Dingen, wo ihm eh schon relativ klar war, dass ich so bin.

 

Andreas Sator: Das eine ist so diszipliniert. Also ich schau nicht ständig drauf. Das ist auch einer der wichtigsten Ratschläge für viele Menschen. Man wird verrückt, wenn man ständig draufschaut und dann sieht man, jetzt hab ich 700 Euro verloren oder 1.100 gewonnen. Also das ist so viel Geld im normalen [00:37:20] Leben, man sollte einfach nicht draufschauen.

 

Andreas Sator: Das mach ich nicht. Ähm, und ich halt mich eigentlich sehr diszipliniert an meine Anlage, äh, Strategie. Genau. Also es hat mich, glaub ich, bestätigt und bin sehr zufrieden, wie ich mich damit verhalte. Ähm, genau, weil's einfach gut zu dem passt, wie ich gern mein Leben leben möchte. Nämlich ich hab Prinzipien, nach denen ich lebe, [00:37:40] und das macht das Leben einfacher, wenn man nicht ständig neu drüber nachdenkt, wie möcht ich eigentlich A machen oder B oder wie möcht ich mich um mein Geld kümmern.

 

Andreas Sator: Genau, das mach ich einfach so, wie ich's mir vorgenommen hab und fertig .

 

Anna-Lisa Bier: Und was würdest du jemandem raten oder was würdest du jemandem sagen, der jetzt aktuell sagt: „Na, investieren ist überhaupt nichts für mich"?

 

Andreas Sator: Also ich bin niemand, der sagt, jeder sollte sich [00:38:00] damit beschäftigen. Ich glaub, es muss einen interessieren.

 

Andreas Sator: Ich glaub, ähm, es ist wie bei vielen Themen so: Am Anfang ist die Hürde sehr groß, überhaupt damit zu beginnen. Ähm, wem aber je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt und ob das jetzt Anlage is oder ob das KI is oder ob das Fußball is oder Kleidung, was auch [00:38:20] immer, je mehr man sich damit beschäftigt, desto faszinierender wird's und desto mehr merkt man eigentlich, also keiner, ich interessiere mich jetzt nicht so sehr für Kleidung, aber es gibt spannende Leute, die drüber schreiben und je mehr man sich mit Kleidung beschäftigt, desto mehr merkt man auch: Wow, ähm, wie hat sich das verändert?

 

Andreas Sator: Wie passt das zum Zeitgeist? Was haben Menschen damit ausgedrückt? Wie [00:38:40] drückt man seine Individualität aus? Oder wie individuell ist man nicht wirklich, weil man kleidet sich dann doch trotzdem irgendwie wie andere Leute. Also je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto interessanter wird's. Und das ist vielleicht für manche Leute, die überlegen: Sollte ich da reingehen oder nicht?

 

Andreas Sator: So am Anfang muss man mal in sauren Apfel beißen und vielleicht mal drei Bücher lesen [00:39:00] oder sich stundenlang auf YouTube Dinge anschauen, wo man am Anfang sich denkt so: Irgendwie ist das fad und ich verstehe nichts dazu und manchmal macht's 'n Klick und dann, ähm, beginnt man, Zusammenhänge zu verstehen und dann wird's interessant.

 

Andreas Sator: Also vielleicht, vielleicht das mitgeben, ähm, also mal beginnen und dann wird's [00:39:20] interessanter, das verspreche ich.

 

Anna-Lisa Bier: Vor allem wenn das eigene Geld dann mit dabei ist, wird's umso interessanter.

 

Andreas Sator: Genau. Und grad auch wenn man Kinder hat und sich irgendwie Familie hat, das macht schon einen großen Unterschied, ob man, ähm, jung beginnt, Geld anzulegen oder ob man's am Sparbuch liegen hat.

 

Andreas Sator: Also am Ende des Tages, ähm, geht man, glaube ich, ganz anders in [00:39:40] Pension, wenn man sich damit beschäftigt hat. Und das ist schon, wenn's einen selber nicht interessiert, zumindest für die eigene Familie eigentlich finde ich schon auch etwas, wenn man die Ressourcen hat, ähm, neben Job und Familie sich mit dem zu beschäftigen, dann finde ich's schon auch wichtig, ja.

 

Anna-Lisa Bier: Mhm. Bei dir im Podcast ist immer die Abschlussfrage: Was nehme ich mir [00:40:00] mit? Bei uns bei Safe ist die Abschlussfrage, was für dich persönlich safe bedeutet beim Investieren.

 

Andreas Sator: Ähm, für mich bedeutet safe oder Sicherheit beim Investieren, dass ich nur Geld anlege, das ich nicht unmittelbar brauche, um meine Miete zu bezahlen oder um nächsten, in den nächsten Urlaub fahren zu können.

 

Andreas Sator: Also ich [00:40:20] möchte nicht irgendwie, wenn ich einen Urlaub plane oder mal größere Anschaffungen überlege, ähm, beginnen müssen, jetzt was, ähm, an, äh, Wertpapiere zu verkaufen. Genau, also ich lege nur Geld an, das ich länger nicht brauche, beziehungsweise dann Geld, das ich nicht für mein Unternehmen brauche. Also im Cashflow lege ich dann in [00:40:40] Anleihen und, ähm, wenn dann der Cashflow vielleicht mal schlecht ist, verkaufe ich wieder Anleihen.

 

Andreas Sator: Genau, und das ist für mich Sicherheit, eigentlich keine, ähm, zu großen Risiken einzugehen, äh, in meiner Anlage. Es gibt mir einfach ein sehr, ein sehr gutes Gefühl. Genau.

 

Anna-Lisa Bier: Okay, ja, dann sage ich an der Stelle danke, Andreas, für deine Einblicke und für [00:41:00] das Gespräch.

 

Andreas Sator: Total gerne.

 

Alexander Wastl: Hallo Anna-Lisa Ähm, ich frag dich direkt: Wie kurz stehst du vor der Selbstständigkeit im Podcasting?

 

Anna-Lisa Bier: Ja, nach dem Gespräch hat mir der Andreas sicher den ein oder anderen Aspekt [00:41:20] mitgegeben, aber ich glaube, da gehört trotzdem noch ein bisschen mehr dazu. Auf jeden Fall war's sehr, sehr spannend, mit ihm über das Ganze zu sprechen und dass er auch seinen sicheren Job eigentlich so aufgegeben hat, ähm, und dann ins Podcasting quasi gegangen ist.

 

Alexander Wastl: Ja, genau. Also Risiko gegangen, kann man sagen, ne. Ich find, bei dem Gespräch ist, äh, äh, [00:41:40] schwingt viel so österreichische, äh, äh, ein Kultureinblick oder ein Mentalitätseinblick in, in, in, ins, in den österreichischen Kopf sozusagen, äh, mit, weil, ähm, das Thema war eben, er ist ja am Bauernhof aufgewachsen und, und hatte dann den Job beim Standard, ne.

 

Alexander Wastl: Sicherer [00:42:00] Job, sicher passables oder gutes Einkommen und, und dann hat er sich entschieden, sich selbstständig zu machen und das ist halt gleich mal hinterfragt worden, ja. Und, äh, ich find, das ist, das, das ist so bissl beispielhaft für, für unsere Mentalität, auch was so das Risikogen, äh, betrifft in unserem Land.

 

Alexander Wastl: Das heißt jetzt nicht, dass das nicht absolut berechtigt ist von den Eltern und man macht [00:42:20] sich seine Gedanken, ja. Aber ich glaub, wir haben in Österreich generell so bissl, äh, eine Risikoaversion, also irgendwie lieber das Sichere nehmen, was aber auch sicher nicht ganz so toll ist für mich, als wie ins Ungewisse zu gehen.

 

Alexander Wastl: Ja.

 

Anna-Lisa Bier: Mhm. Vor allem weil er, ich denk mal, er hat ja dann eigentlich auch mit seinem Blog beim Standard eigentlich dann dazu [00:42:40] beigetragen, dass man mehr über Geld redet oder dass das Thema ein bisschen breiter wird und dann wurde er aber auf der anderen Seite wieder beschimpft.

 

Alexander Wastl: Genau, also um's zu zitieren, wenn ich das sagen darf, Kapitalistenschwein ist er da be-beschimpft worden, ja.

 

Alexander Wastl: Das passt halt in dieses Bild, ne, und diese Mentalität, dieses Sicherheitsbedürfnis, ähm, das schwie..., äh, [00:43:00] überträgt sich eben auch in, in unsere Anlagekultur im Land ein bissl, ne. Also diese Sparbuchmentalität, die man sagt, ne. Es sind noch immer sehr, sehr viele Österreicherinnen, äh, haben, haben sehr viel Geld, äh, im, am Sparbuch liegen.

 

Alexander Wastl: Also es sind, äh, 330 Milliarden Euro in niedrigverzinsten Veranlagungen. Und, äh, die Aktie ist halt eben so [00:43:20] dieses, ah, das, was, das, das, dem wird eigentlich mehr Risiko zugeschrieben auf lange Sicht als was es eigentlich ist, ne. Und da hat man's als Österreicher, glaub ich, oder als Österreicherin wirklich schwer, weil man hat da irgendwie so dieses, dieses Zerrbild, äh, vom, vom, der Kapitalist, der Investor, die Investorin, die unternehmende Unternehmer, der die [00:43:40] Arbeitnehmerin, Arbeitnehmer auszieht und zu Tode hackeln lasst.

 

Alexander Wastl: Und, ähm, in der Realität ist speziell die Aktienanlage eigentlich das Gegenteil, weil es ermöglicht jedem und jeder, sich zu partizipieren am Erfolg der Unternehmen, ne. Also du hast als Aktionärin, als Aktionär auch das Recht darauf, äh, einen Teil des Gewinns zu bekommen in [00:44:00] Form der, der Dividendenzahlung, ja.

 

Anna-Lisa Bier: Mhm. Was bei ihm für mich irgendwie auch spannend war während dem Gespräch, ich musste ja dann noch mal explizit nachfragen, was er, wie er jetzt investiert. Und er investiert ja seit Beginn quasi, äh, über ETFs. Und das fand ich auch spannend, weil ich mir gedacht habe: Okay, ähm, grad bei ihm hätt ich eigentlich gedacht, dass er vielleicht irgendwie noch [00:44:20] anders investiert, aber er bleibt sich bei dem eigentlich quasi komplett selbst treu.

 

Anna-Lisa Bier: Er ist dafür andere Risiken eingegangen, eben zum Beispiel durch seine Selbstständigkeit. Also er hat zwar vielleicht beim Investment selber keine Risikos so komplett gemacht, aber dafür hat er halt, ähm, geschaut, dass er sich selber ein Business aufbaut und das alleine ist ja dann auch ein Risiko, aber eben ein anderes, als ich vielleicht am Anfang [00:44:40] erwartet hätte.

 

Alexander Wastl: Mhm. Ja, also man muss sagen, Risikolosigkeit gibt's, die hast du nie. Die hast du bei ETFs nicht, die hast du bei Aktien nicht, die hast du bei anderen nicht, die hast du in Immobilien nicht. Das ist immer, ähm, es ist immer relativ, ne. Also er hat das auch a-angesprochen, äh, mit, mit über die Finanzkrise, ne, mit den, mit den Lehman [00:45:00] Brothers 2008, die das in Folge einer, äh, äh, Immobilienblase in den Vereinigten Staaten, es ist, ist eben diese, es war die drittgrößte Investmentbank in, in Vereinigten Staaten, ist dann in Konkurs gegangen und dann ist einfach so 'ne Lawine losgetreten und, und ja, der Finanzmarkt, äh, war nicht mehr das, was er vorher war.

 

Alexander Wastl: Und, [00:45:20] ähm, das ist eben das Thema, wenn wir jetzt über, äh, Sparbuch reden. Ja, man glaubt, dass, dass, dass das Sparen am Sparbuch ist, dass da, da kann nie was sein. Also erstes Mal ist es halt Fakt, dass das Geld an Kaufkraft verliert. Also du hast zumindest die Sicherheit, dass das Geld weniger wert ist in, in, in 20, 30 Jahren.

 

Alexander Wastl: Das, die Sicherheit hast du [00:45:40] schon, aber wir haben halt eben, dieser Fall zeigt, auch große Banken, äh, ich will jetzt kein Doomster sein, aber Es kann niemand gewährleisten, dass es diese Bank in zehn, 15 Jahren noch gibt. Wir hatten in Österreich leider auch, äh, Beispiele, ne, wo, wo Menschen ihr, ihre Einlagen verloren haben.

 

Alexander Wastl: Du kannst das Geld auch unterm Polster horten und [00:46:00] sagen: „Das ist die sicherste Variante." Da wird's auch definitiv nicht mehr. Und das Risiko, dass wer einbricht bei dir. Also was ist sicher, ja? Die Immobilie kann im Falle eines Krieges zerbombt werden. Also es ist immer, diese Einordnung muss man treffen, ne.

 

Alexander Wastl: Also Risiko heißt halt auch, wenn man mehr Risiko geht, so wie er bei der Selbstständigkeit eröffnet das auch Chancen, ne. [00:46:20]

 

Anna-Lisa Bier: Ähm, na gut, vielleicht mit dem Geld schlaft man unterm Polster vielleicht besser. Das könnte man vielleicht machen.

 

Alexander Wastl: Ja, wenn man ganz viel hat, dann ist der Polster aber ziemlich hoch und dann hat man-

 

Anna-Lisa Bier: Nackenschmerzen.

 

Anna-Lisa Bier: Nackenschmerzen. Zahlt sich dann auch nicht aus. Das sind die Probleme. Auf jeden Fall. Ähm, was bei ihm auch, äh, voll interessant war, ist, dass er eben, er durch seinen Podcast, ich weiß nicht, wer von euch schon mal hineingehört hat, [00:46:40] ähm, da gibt's unterschiedlichste Themen, die er sich immer erklären lässt.

 

Anna-Lisa Bier: Also er hat ja auch bei so vielen unterschiedlichsten von Politik, Wissenschaft, Forschung, also alles unterschiedlichste Wissensstände wahrscheinlich. Aber er sagt ja, dass er nicht glaubt, dass er deshalb, ähm, dann den Markt irgendwie anders sieht, auch was eben Finanzen oder so betrifft, weil er sich auch gar nicht [00:47:00] damit beschäftigt.

 

Anna-Lisa Bier: Das find ich auch spannend.

 

Alexander Wastl: Ja, also das passt doch zu deiner vorigen Frage, ähm, weil er sagt, er hat das, sich dafür entschieden, dieses passive Investieren über ETFs. Es lässt seine Zeit auch einfach nichts anderes zu. Also es ist für ihn einfach unrealistisch. Er, er konzentriert sich auf seine Selbstständigkeit, auf sein Unternehmen.

 

Alexander Wastl: Das, das braucht seine [00:47:20] ganze Kraft und Anstrengung. Und dann wär's einfach vermessen zu sagen: „Okay, jetzt mach ich noch nebenbei, ähm, aktives Aktienhandel oder Aktienhandel oder ich such mir einzelne Aktien raus, äh, und, und schau dann mehrmals täglich rein, äh, äh, versuch da über Daytrading mein Geld zu verdienen, was auch immer oder über kurze Anlagehorizonte."

 

Alexander Wastl: Das braucht einfach [00:47:40] viel m-mehr Beschäftigung, ähm, mit dem Thema und, und, und selbst dann garantiert's dir jetzt nicht, dass du den Durchschnittsmarkt sozusagen über lange Zeit, ähm, schlägst. Also ich find, da hat er eine nur logische Entscheidung getroffen. Er sagt: „Das läuft nebenbei, da zahl ich meinen [00:48:00] Sparplan ein, ganz, äh, äh, ganz unkompliziert."

 

Alexander Wastl: Und wenn jetzt in einem Jahr ein alternatives Investment, ähm, durch aktives, äh, tätig werden, vielleicht ein bisschen mehr Rendite erzielt, dann nimmt er das in Kauf, weil über lange Zeit weiß er einfach, mit dem Betrag kann ich rechnen. [00:48:20] Also da sind wir wieder so bei diesen rund acht Prozent oder v-- was der ATX zum Beispiel gemacht hat seit Berechnungstart, a-a-acht Prozent jährlich und mit dem kann er gut leben und, und ist er, schlägt er die Inflation oder sichert sich gegen die Inflation ab und das ist okay für ihn.

 

Anna-Lisa Bier: Ja, alles in allem war's eigentlich wieder ein super cooles Gespräch und ich hoffe auch, dass, [00:48:40] äh, ihr da draußen wieder was mitnehmen habt können. Ähm, ja, von meiner Seite kann ich nur sagen, es hat wieder großen Spaß gemacht mit dir, Alex. Ich danke dir für das Gespräch und freue mich, wenn wir uns dann das nächste Mal wieder hören.

 

Alexander Wastl: Kann ich nur zurückgeben. Ich freue mich ebenfalls. Bis dann.

 

Anna-Lisa Bier: Tschau.[00:49:00]

 

Alexander Wastl: Das war Safe! Stories übers Investieren.

 

Anna-Lisa Bier: Die Inhalte dieses Podcast dienen ausschließlich der Information und stellen keine Anlageempfehlung dar. Wer weiß, wie man mit Chancen und Risiken umgeht, kann seine finanzielle Zukunft [00:49:20] bewusst selbst gestalten.

 

Alexander Wastl: Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann bewerte sie gerne in deiner Podcast-App und teile sie mit deinen Freundinnen und Freunden.

 

Anna-Lisa Bier: Dieser Podcast ist Teil der Initiative "Beteilig dich" der Wiener Börse. Mehr Infos dazu findest du online unter wienerboerse.at/beteilig-dich sowie auf Instagram, TikTok und YouTube im [00:49:40] Profil der Wiener Börse.

 

Alexander Wastl: Danke fürs Zuhören.

 

Anna-Lisa Bier: Bis zum nächsten Mal.