Safe! Stories übers Investieren

Andreas Onea, wie investiert man mutig?

Episode Summary

Paraschwimmer und ORF-Moderator Andreas Onea erzählt, wie ihn seine Kindheit früh für den Umgang mit Geld sensibilisiert hat. Von seinen ersten 500 € Prämie bis zum mutigen Einstieg in Einzelaktien während des Corona-Crashs zeigt er, wie sportliche Disziplin und der Wille zur Diversifikation auch seine Investitions-Reise prägen.

Episode Notes

Österreichs erfolgreichster Paraschwimmer, ORF-Moderator und Speaker Andreas Onea spricht in dieser ersten Folge offen über seinen Weg mit Geld – von einer Kindheit geprägt durch einen schweren Autounfall, finanzielle Engpässe und den Verzicht seiner Einwandererfamilie, bis hin zu seinen ersten Investments mitten im Corona-Crash.

Andreas erzählt, wie ihn der Schwimmsport gelehrt hat, mit Risiko und Rückschlägen umzugehen – und wie er diese mentale Stärke auch bei finanziellen Entscheidungen einsetzt. Er spricht über die emotionale Hürde, Geld „loszulassen", seine Strategie der Einkommensdiversifizierung und warum er Ende 2013 seinen letzten Cent in seine eigene Marke investiert hat.

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Kapitelmarken:

[00:00] Begrüßung & Intro
[00:38] Vorstellung von Andreas Onea
[02:10] Kindheit: Autounfall und finanzielle Belastung der Familie
[04:10] Leben als Einwandererfamilie & der Wert von Dingen
[05:37] Schwimmsport als Therapie & der Weg zum Leistungssport
[06:44] Perspektivenwechsel: Das Gute im Schlechten sehen
[07:06] Erste Berührungspunkte mit Geld durch den Sport
[08:14] Mit 17 das erste Geld bewusst zur Seite legen
[09:21] Langfristige Karriereplanung & Studium an der WU
[11:12] Der erste konkrete Schritt ins Investieren
[12:31] Corona-Crash als Einstiegszeitpunkt
[13:36] Strategie bei der Aktienauswahl
[15:36] Ängste und Hürden vor dem ersten Investment
[16:34] Rückschläge und Umgang mit Verlusten
[18:03] Wie oft schaut Andreas auf sein Portfolio?
[18:58] Mentale Stärke: Sport & Finanzen
[20:31] Einkommensdiversifizierung als Absicherung
[23:11] In sich selbst investieren – Corporate Identity
[25:15] Familie & veränderte Perspektive auf Finanzen
[26:13] Ratschlag ans junge Ich: Mutig sein!

Episode Transcription

Willkommen bei Safe: Stories übers Investieren.

Das ist der Podcast der Wiener Börse für alle, die sich beim Thema Geldanlage noch nicht ganz sicher fühlen.

Deshalb holen wir Menschen vors Mikro, die offen über ihre Erfahrungen sprechen. Über ihre ersten Investments.

Über Fehler, Aha-Momente und darüber, was sie heute anders machen würden.

Wir sind Anna-Lisa Bier.

Und Alexander Wastl. Wir finden: Über Geld sollten wir viel öfter und viel offener sprechen.

Ich würde sagen, das machen wir jetzt direkt, und jetzt geht's los.

Hallo und herzlich willkommen bei Safe: Storys übers Investieren. Schön, dass ihr eingeschaltet habt. Das ist die erste Folge unseres Podcasts, und ich freue mich sehr, dass ich zum ersten Mal den Alex gegenüber von mir begrüßen darf.

Ja, hallo Anna-Lisa. Ich freue mich ebenfalls sehr und bin dementsprechend aufgeregt, weil bei mir ist es überhaupt der allerallererste Podcast. Dementsprechend freue ich mich sehr auf dieses Projekt.

Dieser Podcast soll zeigen, was Investieren alles bedeuten kann und wie facettenreich der Zugang zu Geld und den eigenen Finanzen sein kann. In jeder Folge spricht einer von uns beiden mit Gästen über deren persönliche Investment-Stories, und ich freue mich sehr, dass ich heute den Anfang machen darf. Und am Ende der Folge sprechen wir immer über die wichtigsten Themen des Gesprächs und ordnen die Inhalte für euch ein. Also bis zum Ende dranbleiben.

Jetzt kommen wir aber auch zu meinem heutigen Gast, das ist Andreas Onea. Er ist Österreichs erfolgreichster Paraschwimmer, hat insgesamt 12 Medaillen bei internationalen Bewerben gewonnen und ist außerdem ORF-Moderator und Speaker. Im Gespräch geht es um die Rolle, die Geld seit Andreas' Kindheit eingenommen hat, inwiefern ihm der Schwimmsport für seine finanziellen Schritte geholfen hat und den Sprung ins kalte Wasser, den es auch bei seinen ersten Investments regelrecht gebraucht hat.

Ja, ein sehr interessanter Gast. Ich bin schon gespannt auf das Gespräch und freue mich auf unsere Nachbesprechung im Nachgang.

Hallo Andreas, schön, dass du da bist.

Servus, freue mich sehr.

Zu Beginn unseres Gespräches möchte ich einen Blick auf deine Kindheit werfen, in der du schon früh mit existenziellen Fragen konfrontiert wurdest. Also bevor wir über deine Karriere und auch deinen Bezug zu Investments sprechen: Welche Momente in deiner Kindheit haben dich denn am stärksten geprägt?

Also ganz sicher der Autounfall, den ich hatte. Der hat mich vor ganz, ganz vielen Fragen gestellt, aber vor allem hat er meine Familie vor ganz, ganz vielen Fragen gestellt. Sie haben dann gehört: Prothesen kosten 50, 60, 70.000 €, Therapiestunden kosten 100, 200 €. Mein Vater hat damals 7 € die Stunde verdient als Tischler, und für ihn war nicht klar, wie er das schaffen soll, wie er das machen soll, dass er all diese Probleme löst. Und er hat aber immer einen positiven Zugang, und das hat mich als Kind sehr geprägt: Wir finden eine Lösung, auch wenn wir sie jetzt noch nicht kennen. Das heißt, mein Zugang war immer: Egal, welche Herausforderung auf mich zukommt, ich versuche, eine Lösung zu finden, bevor ich die Nerven wegschmeiße und sage: "Das geht ja gar nicht."

Das hat mich geprägt in vielen Dingen, aber auch, wenn es darum geht, wie gehe ich das Thema Investments, Finanzen an und Lebensplanung. Weil ich natürlich mitbekommen habe, dass das für meine Eltern eine Belastung war. Mein Vater ist gefahren bei dem Autounfall, das war nicht seine Schuld. Trotzdem hat er sich schuldig gefühlt, und jetzt war mein Arm weg, den linken Arm verloren bei dem Autounfall. Und jetzt wollte er natürlich schauen, dass er alles Mögliche versucht, um mir die beste Möglichkeit zu bieten, dass ich gut rehabilitiert werde, dass ich gut wieder am Alltagsleben teilnehmen kann. Und wenn er gemerkt hätte, er schafft das nicht, dann hätte ihn das sicher sehr mitgenommen. Deswegen hat er immer da den positiven Zugang gehabt: Wir versuchen, eine Lösung zu finden, und wir versuchen, unser Bestes zu geben, damit wir hier eine Möglichkeit finden.

Aber natürlich war es: Wir waren eine Einwandererfamilie. Meine Eltern sind geflüchtet aus Rumänien. Mein Papa. Tischler können, was anderes konnte er nicht. Er hat kein Deutsch gesprochen. Meine Mama hat auf uns Kinder aufgepasst. Wir waren drei kleine Burschen. Also da jetzt irgendwie große Dinge zu bewegen, das war nicht möglich. Und deswegen war es wichtig, einfach tüchtig zu sein, dranzubleiben und eben niemals aufzugeben.

Und welche Rolle hat da Geld auch in den Jahren danach gespielt? Weil ich kann mir ja schon vorstellen, dass das dann für eine Familie, wo der Vater dann eigentlich auf seine Muskeln und auf seine körperliche Verfassung angewiesen ist, wie hat sich das dann gekennzeichnet?

Ja, das große Problem war, dass mein Papa schwer verletzt war und die Ärzte ihm gesagt haben: "Du wirst nicht mehr als Tischler arbeiten können." Dann hat er seinen Job auch verloren, wo er angestellt war, während dem Unfall. Und er war arbeitslos auch noch. Das war dann zwei Jahre wirklich eine irrsinnige Belastung ohne Einkommen. Und die haben es trotzdem irgendwie geschafft. Und die haben als Kinder nie wirklich gemerkt: "Okay, da fehlt was." Ich bin mir ganz sicher, meine Eltern haben irrsinnige Dinge auf sich nehmen müssen und haben auf viel verzichten müssen, damit sie uns das ermöglichen.

Und trotzdem haben sie immer geschaut, dass wir alles haben. Und das hat mich als Kind total geprägt. Aber ich erinnere mich trotzdem: Ich habe mir immer irgendwie so ein Nintendo DS, glaube ich, gewünscht oder Nintendo Color, war irgendein früheres Ding da. Und ich habe das dann im Park verloren und liegen gelassen. Und ich habe umgerechnet gehabt, ich glaube, es war noch Schilling, dass das irgendwie 200 € gekostet hatte. Und das war irrsinnig viel Geld. Und mir hat das so leidgetan, dass ich dieses Ding im Park verloren habe.

Und ich bin da extra noch mal hingegangen, und es war weg. Natürlich war es weg. Und das hat mich total geprägt, dass ich sowas Wertvolles, was mir meine Eltern geschenkt haben, ermöglicht haben, dass ich es verloren habe. Also es war schon auch irgendwie eine Gewissheit da: "Okay, wenn wir schon was haben, das ist cool." Aber eigentlich ist das nicht so selbstverständlich, sondern da war viel Verzicht, damit wir das genauso haben können.

Was du dann nach dem Unfall auch quasi begonnen hast, ist ja mit dem Schwimmen. Das hat ja quasi bei dir als Sporttherapie begonnen, hat dann zum Leistungssport geführt. Da möchte ich auch darauf zu sprechen kommen, welche Rolle hat denn diese finanzielle Unterstützung von deinen Eltern da eingenommen? Weil das ist ja dann auch nicht einfach irgendeine Ausbildung, sondern das ist ja wirklich Profisport, den du betreibst.

Ja, jetzt schon. Zu Beginn nicht. Zu Beginn war das Therapiensport. Aber da war es wahnsinnig wichtig, dass mein Papa mich nach Kloster Neuburg fahren konnte, wo ich die Therapiemaßnahmen hatte. Und deswegen war es wieder gut, dass er arbeitslos war. Sonst hätte er mich niemals nach Kloster Neuburg fahren können. Ich war sieben Jahre alt damals.

Also auch da wieder: Ich nehme immer gerne einen Perspektivenwechsel vor, und ich stoße auch immer gerne einen Perspektivenwechsel an. Eigentlich war schlecht, dass mein Papa arbeitslos war. Und siehe da, 25 Jahre später sage ich: "Eigentlich gut, dass er arbeitslos war, weil ich konnte die Therapie machen, ich konnte ihn den Schwimmsport finden, und jetzt kann ich Profisportler sein." Was nicht möglich gewesen wäre, wenn ich nicht die Therapie absolvieren hätte können.

Also es hat immer etwas Gutes, aber man muss halt den Schritt zurückmachen, sich auch trauen zu sagen: "Okay, ich suche jetzt einmal nach dem Guten." Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so wirkt.

Ja, das glaube ich. Auch bei deiner Karriere ist es ja so, dass du mit zwölf Jahren zum ersten Mal österreichischer Staatsmeister geworden bist. Mit zwölf, ich glaube, das muss man sich auch mal vor Augen führen. Hat dich dann damals Geld schon bewusst irgendwie... Hast du das damit mit Geld in Berührung gebracht, diesen Staatsmeistertitel, den ersten, oder war das für dich eigentlich dann nur ausschließlich der Sport damals?

Ich habe schon gemerkt, dass das was kostet, was ich da mache. Also es waren schon Wettkämpfe, Trainingslager, und ich hatte natürlich kein Geld und meine Eltern auch nicht. Aber dadurch, dass ich Leistungen gebracht habe, habe ich gesehen, ich rutsche da in diesen ganzen Kadersystemen immer mehr hinauf. Und je besser ich bin, desto mehr Möglichkeiten bekomme ich.

Und mir war natürlich bewusst, wenn eine Reise irgendwie 1.000 € kostet, dass das wahnsinnig viel Geld ist, weil mein Papa 1.000 € verdient. Das heißt, da zu dem Wettkampf zu fahren, ist das Monatsgehalt von meinem Papa. Also ich habe schon immer wertgeschätzt, welchen Aufwand ich da verursache und dass mir das ermöglicht wird, und habe das eben versucht, über Leistungen zurückzuzahlen. Also diese Verknüpfung habe ich schon gemacht.

Und ich erinnere mich, dass ich dann 2009 meine erste Medaille gemacht habe bei einer internationalen Veranstaltung, bei einer Europameisterschaft und dann gleich darauf bei einer Weltmeisterschaft. Und ich habe 500 € Prämie bekommen. Und ich habe mir gedacht: "Wow, 500 €? Super." Ich war 17 und habe sozusagen mein allererstes Geld damit verdient, dafür, dass ich schnell im Kreis schwimme. Und war für mich total schön, dieses Geld zu haben.

Und ich habe es aber bewusst zur Seite gelegt und gesagt: "Okay, ich darf jetzt etwas machen, was Gleichaltrige nicht machen dürfen. Das ist ein Privileg." Also möchte ich auch dieses Geld, das ich damit verdiene, sage ich jetzt einmal in Anführungszeichen, auch für die Zukunft zur Seite legen, um es bereit zu haben, wenn ich einmal etwas mache. Also immer diesen Gedanken zu haben: Das ist jetzt ein Bonus, aber den möchte ich nicht gleich irgendwie raushauen und mir jetzt irgendwas gönnen, sondern wirklich in die Zukunft zu investieren.

Also mit 17 ist das ja wirklich früh, dass man so denkt.

Ja, weil mir immer bewusst war, wie schnell es auch wieder anders sein kann. Also wenn man früh eben in so eine Situation gebracht wird, dass im Endeffekt die Lebensexistenz, nämlich mein kompletter Körper, mein funktionierender Körper, plötzlich weg ist und ich jetzt nur noch einen halben funktionierenden Körper habe, dann gehst du eigentlich immer davon aus, dass das, was du jetzt erlebst, nicht immer da sein wird. Also du gehst nicht von diesem Selbstverständnis aus.

Und somit habe ich immer geschaut: "Okay, ich möchte mal eine Familie gründen, ich möchte Kinder haben, ich möchte das, was ich jetzt mir aufbaue, dafür nutzen, dass andere davon einmal profitieren können." Und das war immer mein Antrieb, immer mein Anreiz, noch mehr zu trainieren, noch mehr zu geben, noch erfolgreicher zu sein, damit irgendwann meine Kinder und meine Familie davon profitieren können, auch im Wissen, dass meine Eltern sehr, sehr viel aufgegeben haben, damit ich das alles schaffen kann.

Das heißt, um auch jetzt zu meiner nächsten Frage zu kommen: Du hast dich dann schon sehr früh mit deiner langfristigen Karriereplanung eigentlich auseinandergesetzt, wenn ich das jetzt so raushöre.

Ja, das kommt. Das kommt einfach automatisch. Klingt vielleicht irgendwie so, als wäre es eh selbstverständlich. Ich habe mir früh die Frage gestellt: "Okay, ich bin anscheinend gut in etwas. Ich gewinne Medaillen, ich breche Rekorde. Ich habe Chancen auf eine paralympische Medaille, die möchte ich gewinnen. Aber was möchte ich damit erreichen? Möchte ich das kurz machen, erfolgreich sein, und dann lasse ich es bleiben? Oder ist das vielleicht auch wirklich mein Leben, und treffe ich die bewusste Entscheidung: Das möchte ich mein ganzes Leben lang machen, solange es halt geht?"

Und ich habe dann auf der WU angefangen zu studieren und habe mich 17 Semester lang selber belogen, dass ich eh WU-Student bin, und bin einmal im Semester zum Automaten gelaufen und habe den Ausweis reingesteckt. Meine Passion lag eigentlich darin: Ich gehe zum Training, und ich möchte eine Medaille gewinnen.

Und ich habe genau den richtigen Moment erwischt, wo der Parasport auch in Österreich so richtig Aufwind bekommen hat, und plötzlich waren Sponsoren interessiert, und plötzlich waren Fördergelder da, und plötzlich gab es staatlich unterstützte Arbeitsplätze für Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung. Und plötzlich war das ein Berufsbild. Und wenn ich vorher gesagt habe: "Ich bin Parasportler", dann haben sie gesagt: "Und was arbeitest du?" Und wenn ich jetzt sage: "Ich bin Parasportler", dann ist das mein Job. Und das ist auch in der Wahrnehmung mittlerweile so. Das heißt, diese Möglichkeiten zu haben: Mir war bewusst, dass ich das erreichen möchte, dass ich das schaffen möchte und dass ich da hineininvestieren möchte, dementsprechend auch der volle Fokus darauf beruflich.

Okay, das heißt aber, du hast auch ein abgeschlossenes Studium? Das heißt an sich...

Wir sind immer noch in Österreich. Das heißt, mein Papa hat mich immer gefragt: "Studierst du eh noch? Studierst du eh noch?" Ich habe gesagt: "Ja, Papa, ich studiere, ich studiere" und habe dann geschaut, dass ich die Medaillen mache. Ich habe dann ein Fernstudium für Spitzensportler absolvieren können und habe einen MBA machen können. Das heißt, ich habe geschaut, dass ich zumindest akademisch eine gewisse Basis habe. Das WU-Studium habe ich dann nicht mehr fertiggestellt.

Na, okay, aber sicher, sicher, du hast es...

Genau, ich habe was in der Hand, genau.

Perfekt. Ich möchte eh jetzt schon von dem Ganzen zum Investment kommen. Der Sprung ins kalte Wasser, ich muss dieses Wortspiel jetzt einfach bringen, ist ja nicht nur im Schwimmsport vorhanden, sondern auch bei den ersten finanziellen Entscheidungen, über die ich jetzt eben gerne mit dir sprechen möchte. Also wann hast du dann zum ersten Mal konkret Geld in die Hand genommen oder investiert?

Also in den Sport investiert und alles, was ich hatte. Also und das ist jetzt vielleicht noch sehr weit hergeholt, aber ich glaube, das zeigt einfach den Zugang, den ich hatte. Alles Geld, was ich seitdem ich maturiert habe, verdient habe, ist in den Sport gegangen. Ich habe bei meinen Eltern gewohnt, dadurch hatte ich keine oder kaum Kosten für mein eigenes Leben, wirklich auf sehr, sehr wenig Grundkosten versucht zu leben, damit ich wirklich alles in den Sport hineinstecke, damit ich erfolgreich sein kann und meine Medaillen machen kann. Das ist Gott sei Dank voll aufgegangen. 2016 habe ich die Paralympics-Medaille gemacht, und nach dem Erfolg in Rio de Janeiro habe ich das Jobangebot vom Österreichischen Bundesheer bekommen, und da habe ich zum ersten Mal eigentlich Geld verdient. Alles davor war immer nur hineininvestieren, hineinstecken, auch wenn Sponsoren da waren, wirklich Vollgas investieren, investieren, investieren, damit sich es nachher irgendwann auszahlt. Und als ich zum ersten Mal ein regelmäßiges Gehalt hatte beim Österreichischen Bundesheer, habe ich dann gemerkt: "Okay, jetzt kann ich wirklich mit irgendwas kalkulieren und kann anfangen, bewusst zur Seite zu legen."

Also mein Investment hat sich in dem Sinne ausgezahlt, dass ich jetzt die Möglichkeiten hatte, wirklich zur Seite zu legen, um mir Gedanken zu machen. Ich habe mich wahnsinnig viel auseinandergesetzt. Das Thema fasziniert mich, aber ich habe mich nie getraut. Und so richtig getraut habe ich mich dann, als alle anderen Angst hatten, nämlich beim großen Corona-Dip. Habe ich mir gedacht: "Das gibt es doch nicht. Das sind Unternehmen mit irrsinnigen Fundamentals und Cashflows, und dass die jetzt alle so abgestraft werden. Die Welt scheint so, als würde sie untergehen, aber die wird sicher nicht untergehen."

Und ich kenne das aus meinem eigenen Leben. Es ist alles nicht so schlimm, wie es im ersten Moment wirkt. Und da habe ich Vollgas mich eingekauft, und das ist Gott sei Dank dann gut aufgegangen. Habe viele Technologietitel, Einzeltitel gekauft. Ich weiß eh, das ist nicht das, was man empfiehlt, dass man in einen breiten Index hineingeht, sondern ich bin halt voll auf Risiko, Einzeltitel rein. Aber das war für mich: "Okay, jetzt habe ich gespart gehabt, jetzt war der Moment zum Reingehen und habe das dann gemacht."

War mutig.

Bei den Einzeltiteln bist du da so vorgegangen, dass du zum Beispiel auch in Unternehmen investierst, die für dich etwas bedeuten oder die zum Beispiel auch für gewisse Sachen stehen? Oder hast du da einfach gedacht: "Okay, du riskierst da jetzt einfach voll..."?

Also ich habe versucht, meine Emotionen aus dem Spiel rauszuhalten, weil unsere Emotionen nicht wirklich unser bester Begleiter sind, im Leben nicht und auch nicht bei solchen Entscheidungen. Mir ging es wirklich um die Cashflows, mir ging es um breite Produktbasis, breite Kundenbasis.

Und im Endeffekt habe ich in die klassischen Titel investiert: Microsoft, Amazon, Apple, Facebook, Google. Und das ist halt dann alles wieder nach dem Corona-Dip gut hochgegangen.

Und gedanklich war das so, dass ich gesagt habe: "Okay, das ist Geld, das ich angespart hatte. Wenn das weg ist, dann wird jetzt die Welt nicht untergehen. Das ist eh schon eine sehr privilegierte Position." Und somit habe ich mich auch nicht tagtäglich damit beschäftigt: "Was ist jetzt? Und geht es jetzt 4 % rauf, 5 % runter?" Sondern wenn ich in 15 Jahren reinschaue und das hat sich verdoppelt, dann habe ich auf jeden Fall mal die Inflation ausgeglichen und hat sich in dem Sinne ausgezahlt.

Aber das heißt, du bist immer noch bei Aktien eigentlich dann hängen geblieben?

Ja, genau. Also ich bin in dem Sinne, wie gesagt, entgegen aller wissenschaftlichen Empfehlungen, finde ich einen Einzeltitel typisch einfach wieder verkauft und wieder mich neu eingekauft und ein paar spekulative Sachen auch gemacht. Also nicht nachmachen oder nur nachmachen, wenn man sich gut eingelesen hat, aber sich mit dem Thema auseinandersetzen: Was ist in 15 Jahren?

Was ist in 20 Jahren? Die Arbeit, die ich jetzt mache, das Geld, das ich jetzt verdiene, das muss ich absichern. Und da bin ich vielleicht in dem Sinne ein gebranntes Kind, weil der Grund, dass wir in Österreich sind, ist genau der. Mein Papa hat als junger Mensch gesehen, dass er da wenig Hoffnung hat, in Rumänien eine Ausbildung zu genießen, und hat ein bisschen Geld angespart und wollte meine Mama heiraten und wollte eine Familie gründen und eine Wohnung kaufen. Und von einem Tag auf den anderen hätte er irgendwie das Dreifache an Kohle gebraucht. Also Inflation war so, so org, dass er gesagt hat: "Okay, das geht nicht, das hat keine Zukunft." Und er muss weg und ist dann eben nach Österreich gekommen, hat hier die Möglichkeit bekommen, durch seine harte Arbeit sich was Neues aufzubauen.

Und somit hatte ich immer diesen Gedanken: "Okay, das, was ich jetzt habe oder glaube zu haben, ist morgen nicht garantiert, wenn ich nicht auch was dafür tue, dass es dort bleibt oder eben arbeitet oder sich hoffentlich vermehrt."

Stichwort tun: Du hast ja gesagt, du hast am Anfang Angst davor gehabt. Was für Ängste oder Vorbehalte hattest du da, bevor du investiert hast?

Ja, die klassischen technischen: Wo kaufe ich, wie kaufe ich, welche Hürden habe ich? Das ist mittlerweile ja einfacher mit ganz vielen Neobrokern und Apps und auch der Zugang zu Informationen. Was bedeutet das, wenn man eine Kauforder setzt und wie schnell kann es passieren, dass vielleicht doch zum falschen Preis gesetzt wurde? Und dann kaufe ich teurer als eigentlich geplant oder also mit solchen Dingen einfach mal wahnsinnig viel eingelesen, wahnsinnig viel konsumiert.

Und dann wäre ich eigentlich bereit gewesen, aber ich habe mich nicht getraut, weil das Geld war am Konto und ich hätte es ja vom Konto wegtun müssen, woanders hin. Und zum ersten Mal hast du das Gefühl: "Okay, das Geld ist dann irgendwie weg." Und das ist ja kein gutes Gefühl, wenn man Geld wegtut. Also hier war wirklich eine emotionale Hürde zu sagen: "Gut, jetzt mache ich das wirklich." Und seitdem habe ich kein Problem mehr, Kauforders zu setzen.

Okay, das heißt, ihr habt schon mal auch daraus gelernt. Dann in dem Sinne gab es dann bei deinen Investments sonst irgendwelche Rückschläge oder irgendwelche Tiefen in den letzten Jahren?

Ja, klar. Wir hatten ja in den letzten Jahren auch, wenn man sehr stark in Technologietitel investiert ist, ging es gut nach oben. Aber wenn so Panik einsetzt und wir glauben, dass übermorgen wieder die Welt untergeht oder ganze Services oder ganze Branchen nicht mehr notwendig sind, dann geht es einmal auch 10 % nach unten. Und da muss man einfach gedanklich sich gelöst haben und nicht Angst haben und dann in dem Punkt verkaufen, weil realisierter Verlust ist ja nur, wenn ich es wirklich verkauft habe und alles andere ist Papiergeld oder halt rote und grüne Zahlen. Also im Endeffekt sind die roten und grünen Zahlen meine Freunde und nicht meine Feinde. Und es ist einfach ein gedanklicher Punkt, wie ich das angehe, um hier nicht in die Gefahr zu laufen, dass ich zu früh verkaufe.

Aber natürlich auch Investmentthesen können sich verändern, wo ich dann gemerkt habe: "Okay, das stagniert jetzt seit einigen Jahren und Leadership des Unternehmens hat möglicherweise keine Strategie für die verändernde Welt. Somit gehe ich wieder raus." Das, was man eigentlich nicht empfiehlt, aber man muss ja für sich auch einen Weg finden, dass man sagt: "Okay, jetzt habe ich das Gefühl, das Portfolio ist wieder gut ausgeglichen und kann wieder auf die grünen Zahlen schauen."

Wie oft schaust du dann auf dein Portfolio? Bist du dann jemand, der dann täglich hineinsieht, stündlich hineinsieht, oder denkst du dir: "Okay, ich lasse das jetzt einfach einmal und gebe dem Zeit"?

Ich glaube, das hängt auch gerade von der Marktphase ab. Also es gibt Phasen, wo jeden Tag irgendwas Spannendes passiert, wo ich mir denke: "Hey, eigentlich müsste das doch auch auf den Titel irgendwie Auswirkungen haben." Und keine Ahnung, OpenAI macht irgendeine Investmentrunde, denkst dir: "Jetzt müsste Microsoft auch gut reagieren." Und dann denkst du: "Okay, warum geht das jetzt ins Minus?" und versuchst, den Markt zu verstehen und die Investmentthesen von anderen zu verstehen.

Also eher aus Ausbildungsgründen oder aus reinem Interesse, dass ich dann öfter reinschaue. Aber es führt dazu, dass ich eben nicht irgendwie schlaflose Nächte habe. Also sobald schlaflose Nächte da sind und man da in das Portfolio schaut, dann hat man irgendwo emotional was falsch gemacht, und dann zahlt sich das auch nicht aus. Dann soll man lieber rausgehen und in einen ETF investieren und gar nicht mehr reinschauen, 15 Jahre lang, und hat da den positiveren Effekt.

Also es hat schon auch irgendwie einen Aspekt der Weiterbildung und des persönlichen Interesses, dass ich dann eben so investiert bin und nicht in einem breit gestreuten Index.

Diese mentale Stärke, die du da ansprichst, ist ja eben nicht nur beim Investieren wichtig, glaube ich, um einmal einen kühlen Kopf zu bewahren, sondern auch beim Sport. Hat dir da deine Disziplin und deine Geduld, die ganzen Routinen, die du als Sportler hast, hat dir das für deine finanziellen Entscheidungen dann schon auch geholfen, oder?

Ja, ich glaube, fürs Leben allgemein. Wenn man vor 17.000 Menschen halbnackt im Kreis schwimmen muss, dann macht das was mit einem. Und vor allem, wenn man gewinnt, freut man sich. Wenn man verliert, denkt man sich: "Okay, das Leben geht weiter." Und diese, ich sage jetzt einmal, Lockerheit oder Coolness, auch wenn es im Moment selbst natürlich nicht so ist. Man fühlt sich angespannt, man hat Druck, man hat Erwartungshaltung auch bei solchen Entscheidungen.

Da hängt viel dran, wenn man jetzt entscheidet, einen Batzen Geld irgendwo hineinzulegen und überlegt sich: "Okay, und was für negative Folgen könnte das für die Frau und für die Kids haben und wie sehen die das?" Meine Frau vertraut mir da Gott sei Dank blind und lässt das bei mir in der Hand. Aber natürlich machst du dir Gedanken. Aber ich glaube, wir müssen einfach cool und locker bleiben. Und es gibt meistens immer auch wieder einen Weg zurück und kann auch Fehler einmal wieder korrigieren, und man nimmt das auf sich. Und wenn man gut kalkuliert und gut plant, gibt es immer eine Möglichkeit, eine Lösung zu finden.

Also ich merke schon, dass da dein Sportlerdasein trotzdem extremen Einfluss drauf hat, weil wenn ihr mir jetzt sagt, man muss locker bleiben, phasenweise bei einzelnen Unternehmensaktien, glaube ich nicht, dass das bei allen so ist, aber dann ist es ja eigentlich schon mal ein gutes Stichwort oder eine gute, wie du es vorlebst, ist schon mal gut, würde ich jetzt einmal sagen.

Danke dir.

Neben dem Sport haben wir eh schon vorher erwähnt, dass du dich immer trotzdem versucht hast, ein bisschen abzusichern. Du bist ja mittlerweile auch Moderator, Speaker. Wie hängen diese Jobs dann für dich mit finanzieller Sicherheit zusammen? Weil es ist ja einerseits eine berufliche Weiterbildung, du lernst extrem viele durch, aber es hat ja trotzdem auch immer mit dem finanziellen Aspekt zu tun. Was ist da für dich vorwiegend?

Da kommt, glaube ich, wieder ins Spiel, was man als Kind mitbekommt, ob Absicherung da ist oder nicht. Wir waren als Familie immer davon abhängig, dass der Papa nicht bei der nächsten Kündigungswelle rausfliegt als unqualifizierte Arbeitskraft. Und das schwingt immer so mit. Und wenn du dann weißt: "Okay, der Arbeitgeber wird gerade verkauft und die werden in Wien einsparen und bei der nächsten Kündigungswelle ist der Papa wieder ohne Job", das spielt mit.

Also ich habe schon gemerkt, dass ich früh diversifizieren wollte und gar nicht nur Risiko oder Investments, sondern Diversifikation meiner Einkommensströme. Und ich hatte dann eben meinen Job beim Bundesheer, hatte meine Sponsoren, hatte dann beim ORF meine Möglichkeit, dazu zu verdienen und habe mir dann wirklich überlegt: "Okay, was ist mein USP? Was ist mein Mehrwert, den ich noch bieten kann? Welche Dienstleistungen kann ich noch am Markt anbringen, noch während meiner Schwimmkarriere?"

Als Sportler muss man sich Vollzeit dem Sport widmen, und die besten Jahre, die man beruflich hat, muss man im Schwimmbecken oder in der Trainingshalle verbringen. Und dann steht man irgendwann Mitte 30 hoffentlich erfolgreich da und versucht, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und sagt: "Servus, hallo, ich bin der und ich habe eine Olympiamedaille." Und der Arbeitgeber sagt: "Super, toll, hier ist dein Einstiegsgehalt mit 1.200 netto, weil du hast keine Berufserfahrung." Und dann hat man ein Problem, weil das geht sich dann irgendwann nicht mehr aus, vor allem, wenn man eine Familie hat.

Und mir war wichtig, dass ich nie in diese Situation komme. Ich habe auch ein bisschen panische Angst vorm Aufhören. Das heißt, ich habe gewusst, ich werde das ziemlich lange machen. Ich brauche also danach sofort etwas, wo ich direkt einsteigen kann. Und Gott sei Dank hat sich das dann gut verbinden können, dass ich eine große Groschen habe und beruflich fürs Reden bezahlt werde, ob jetzt als Speaker oder als Moderator, und habe hier wirklich eine Absicherung gehabt.

Und Corona-Tipp in dem Sinne, aber auf der anderen Seite: Wir hatten keine Wettkämpfe, für Sponsoren hatten wir keine Möglichkeiten, uns zu präsentieren. Und ich hatte aber trotzdem, es gab keine Veranstaltungen, das heißt Moderieren und sowas, und ich hatte aber trotzdem ein diversifiziertes Einkommen und habe gewusst, das Gehalt kommt. Jetzt sind plötzlich Online-Veranstaltungen möglich, Online-Vorträge, und habe so weiter Kohle verdienen können, und meine Kollegen konnten das nicht.

Das heißt, hier immer der Gedanke: Welchen Mehrwert kann ich liefern, um breit aufgestellt zu sein? Sollte ein Themenbereich wegfallen, sollte ich morgen nicht mehr interessant genug sein für Sponsoren, bin ich hoffentlich weiterhin interessant genug für Moderationsjobs und für Vortragsjobs und für meinen ORF-Job. Also hier wirklich breit aufgestellt sein, war mir immer wichtig, damit ich einfach ruhig schlafen kann.

Ich finde es aber eigentlich ganz schön, weil du schon von Anfang an eigentlich erzählt hast, dass du sehr viel in dich auch investiert hast. Wir reden ja jetzt hier generell, wie man investieren kann, welche unterschiedlichen Aspekte es dazu gibt. Aber ich finde, dass du, dass sich für mich hier herauskristallisiert, dass du sehr viel einfach in dich investiert hast, um nicht nur dort oder dort zu investieren, sondern dass du mit aus dir etwas machst. Und ich finde, gerade das ist eigentlich ein extrem schöner Punkt daran, weil man sich als selbst, als Person auch dann dementsprechend weiterverkaufen kann.

Ich glaube, das war essenziell, dass ich überhaupt den Sport so erfolgreich machen konnte, gar nicht auf der sportlichen Seite. Und ich habe da wirklich ein sinnbildliches Beispiel. Mir war immer bewusst, dass da Tausende Sportler draußen sind, die alle die gleichen Unternehmen anschreiben und die gleichen: "Servus, hallo, ich bin cool, bitte geht es mir geld." Und die Standardantwort ist: "Sorry, passt nicht zur Strategie, wir können nicht sponsern." Ich musste mich abheben.

Und am Anfang dachte ich, dass das Abheben rein optisch geht, und an meinem Auftreten kann ich nichts verändern, aber an meiner Wahrnehmung als Marke. Und ich habe dann investiert in eine Corporate Identity und in ein Logo und Farbenwelt, die das repräsentieren soll, was ich bin, und in ein Logo, das ich auch nachher nach dem Sport verwenden kann. Und da kam wirklich dann, Ende 2013 war das, die Rechnung vom Grafiker, und der hat sich da wirklich super Gedanken gemacht und hat das großartig gemacht. Und das war mein letztes Geld, das ich hatte. Also nachdem ich diese Rechnung überwiesen habe, war der Kontostand auf Null.

Und ich habe gesagt: "Okay, das ist mein Investment in mich und in meine Zukunft, und ich mache das bewusst, weil das wird sich auszahlen." Und das hat sich dann im nächsten Jahr ausgezahlt, weil ich neue Sponsoren finden konnte, auch aufgrund meines Auftretens. Und so sportlich erfolgreich war ich damals noch nicht. Aber die haben gesagt: "Hey, du machst das anders, und bei dir wirkt das alles kompakter und professioneller, und deswegen gehen wir jetzt mit dir in eine Beziehung ein, in eine sportliche Sponsoring-Beziehung." Also es hat sich ausgezahlt, und in sich zu investieren und in die eigene Ausbildung und in die eigene Zeit und vor allem in den eigenen Mehrwert, den man bieten kann. Das heißt, wenn ich weiß: "Hey, ich habe da offensichtlich ein Talent, wenn ich da Vollgas hineinvestiere, ob das jetzt Zeit ist, ob das jetzt Ressourcen ist, ob das emotionale Auseinandersetzung ist, dann wird sich das am Ende des Tages auszahlen."

Und es ist ja nicht nur deine Zukunft, von der wir sprechen. Du hast ja mittlerweile eine Familie, eine Frau und zwei Söhne. Hat sich da dein Zugang zu den Finanzen auch noch mal geändert?

Ja, klar. Also alles, was ich mache, muss natürlich dazu führen, dass es meine Kinder besser haben, als ich es hatte. Und ich hatte es in dem Sinne gut, weil meine Eltern viel aufgeopfert haben. Und gleichzeitig möchte ich natürlich schauen, dass sie verantwortungsbewusste Mitglieder unserer Gesellschaft werden, die auch Finanzen und Ressourcen zu schätzen wissen, hier auch die Wurzeln nicht zu vergessen und nicht zu verlieren. Wir sind sehr, sehr oft in Rumänien auch.

Das heißt, die Kids werden oft auch sehen, dass es auch eine andere Welt gibt, die nicht unbedingt die Traumwelt ist, in der wir leben dürfen. Und hier diese Balance und diesen Bezug herzustellen, ist mir wahnsinnig wichtig. Aber natürlich, jede Entscheidung, die ich treffe, da geht es nicht darum, dass ich jetzt den nächsten Spaß haben kann, sondern dass am Ende des Tages meine Kinder die Möglichkeit bekommen, sich zu entfalten, ihre Talente kennenzulernen und irgendwann in ihre Familien zu investieren.

Also du möchtest ihnen eigentlich da ein Fundament geben, um ihre Talente selbst zu entwickeln, sage ich jetzt einmal. Was würdest du denn deinem jungen Ich zum Thema Geld heute sagen?

Mutig sein. Also ich war natürlich auch aufgrund meiner Erfahrungen aus dem familiären Kontext sicher sehr konservativ, auch von alles einmal am Konto liegen haben und Sparbuch liegen haben und wissen, dass das eigentlich aufgefressen wird von der Inflation, aber trotzdem nicht trauen, jetzt irgendwie was zu machen, weil meine Eltern das natürlich nie gemacht haben. Und somit hatte ich hier nie einen Bezug.

Irgendwann haben meine Eltern irgendwo einen monatlichen, also irgendwie 100 Euro in irgendwelche aktiv gemanagten Sachen hineinvestiert. Und da habe ich zum ersten Mal gemerkt: "Okay, sie beschäftigen sich anscheinend auch mit finanzieller Freiheit in der Zukunft." Bin dann Jahre später draufgekommen, dass im Endeffekt die ganzen Gebühren das ganze Investment aufgefressen haben und sie am Ende des Tages bei Null rausgekommen sind. Gleichzeitig ist der Markt explodiert.

Und da bin ich auch draufgekommen, es ist nicht nur wichtig, dass man was macht, sondern was man macht und vor allem, wie man es macht. Und sie haben sich gefreut, weil sie halt Geld auf der Seite liegen hatten. Das hätten sie sonst ausgegeben. Also auch das bewusste monatliche zur Seite legen, das ist schon einmal gut, aber wenn das Potenzial viel größer gewesen wäre.

Und da hatte ich wirklich so einen Moment, wo ich Hass war, Hass auf Berater, die ihnen das reingedrückt haben, aber auch die Entscheidung getroffen habe: "Ey, ich nehme das in die Hand und ich nehme die finanzielle Planung meiner Eltern in die Hand, und für meine Familie darf sowas nie vorkommen."

Das heißt, wie bildest du dich dann bei solchen Themen weiter?

Es ist großartig. Wir haben einen irrsinnigen Content-Pool. Man findet online coole Leute, die vom Charakter passen, nicht irgendwelche Scammy, Leute, die irgendwelche Kurse einem anbieten wollen oder irgendwelche Shitcoins, in die man jetzt unbedingt einsteigen muss, um 200 % zu machen, sondern wirklich nachhaltiges, langfristiges Verstehen von Prozessen, von der Finanzwelt.

Was mache ich, wenn ich eine Aktie kaufe? Ich bin beteiligt an diesem Unternehmen. Mir gehört ein Teil des Gewinns. Oder wie interpretiere ich das dem Cashflow gegenüberstehend? Wie ist die Bewertung einzuschätzen?

Also es gibt es wahnsinnig viel auf YouTube, auf Instagram, auf den offiziellen Kanälen, die sich natürlich um Finanzbildung kümmern. So Podcasts, wie wir ihn heute machen, hoffentlich kann man was Schlaues von ihm mitnehmen. Da gibt es mittlerweile schon ganz, ganz viele gute Dinge, auch viele nicht so gute Dinge.

Also ich glaube, da muss man einfach den Scammer-Radar einschalten. Aber das hilft, glaube ich, in einer Social-Media-Welt sowieso, wenn man da ein bisschen die Guards hochgefahren hat.

Das ist wahr, das ist wahr. Ich habe auf jeden Fall schon sehr viel von deiner Herangehensweise daran auch mitgenommen, einfach auch das Mindset und deinen Optimismus. Zur Abschlussfrage möchte ich dich noch fragen, was für dich persönlich safe bedeutet beim Investieren.

Ich glaube, es hilft, wenn man wirklich wenig hatte, als man aufgewachsen ist, weil man dann auch wenig braucht. Und somit kann ich mutiger sein und riskanter sein, auch wenn es vielleicht nicht ganz dem Bild entspricht, das man vielleicht als Grundempfehlung der breiten Bevölkerung gibt. Also ich habe sicher ein größeres Risikoprofil, weil ich eigentlich gar nicht so viel brauche.

Wenn wir die Wohnung haben und meine Frau sich um die Kids kümmern kann und alle Einkäufe gut erledigt werden können und die Kids alles haben, was sie brauchen, und wir uns auch hin und wieder eine schöne Zeit gönnen können, dann ist das die Basis. Und alles andere kann ich in dem Sinne wieder mutiger, riskanter, ich bin jetzt vorsichtig in der Wortwahl, investieren, um für die Zukunft noch mehr Möglichkeiten zu haben. Also einfach, ich denke wirklich, in den nächsten 10, 15 Jahren, wenn ich solche Entscheidungen treffe und eben nicht, was heute ist.

Das ist das perfekte Schlusswort. Danke, lieber Andreas Onea, für deine Zeit und für das schöne Gespräch.

Danke dir, sehr gerne.

Hallo Anna-Lisa, willkommen zurück. Wie geht es dir nach diesem unfassbar spannenden Gespräch?

Ja, ich muss echt sagen, also der Andreas hat mich wirklich inspiriert mit allem, was er gesagt hat, dass er sich mit 17 mit seinem ersten Preisgeld eigentlich schon so auseinandergesetzt hat und gesagt hat, er sieht das als Bonus, um in seine Zukunft zu investieren, und dass er sich eben schon sehr früh über Finanzen und seine ganze Karriere nach dem Sport Gedanken gemacht hat und so reflektiert ist und war, hat mich extrem begeistert, muss ich ehrlich sagen.

Ja, das fand ich ebenso. Also er ist ja, wie soll man sagen, er stand ja oft in seinem Leben mit dem Rücken zur Wand, sagt man, und er hat dann selber gesagt, es geht einfach darum, Lösungen zu finden, und das hat er immer wieder getan, und das fand ich extrem beeindruckend. Also begonnen hat das Ganze ja schon, wie sie das Land verlassen haben, seine Familie, unglaublich einschneidendes Erlebnis natürlich.

Und der Grund war die Inflation, und das ist ja auch so ein Thema, was unweigerlich mit dem Investieren verbunden ist, weil dafür machen wir es ja auch irgendwo, dass wir sagen, die Inflation, das ist einfach der heimliche Geldfresser. Also wenn ich jetzt mein Geld anlege und ich habe eine 2-prozentige Inflation, was eh noch gut wäre im derzeitigen Umfeld, und ich lasse das 10 Jahre einfach so liegen auf dem Sparbuch, das keine Zinsen hat, dann verliere ich rund 10, nein, 20 % Kaufkraft. Also das muss man sich mal vor Augen halten.

Und im Fall von Andreas und seiner Familie war es natürlich noch viel schlimmer, weil in Rumänien zu der Zeit oder in den 90er Jahren bis Anfang der 2000er gab es da teilweise Inflationsraten von 150 % oder 200 % Jahresinflationsraten. Also ja, und das war ja dann auch wirklich der Punkt, wo sein Vater, hat er dann gesagt, entschieden hat, dass er sich dann nichts mehr leisten kann, er muss das Land verlassen.

Vor allem, weil er auch gesagt hat, er wollte ja das Geld dann nicht einfach quasi wo anlegen und das irgendwo hingeben. Das fand ich dann auch wieder spannend, weil er hat ja auch erwähnt, dass seine größte Hürde, bevor er überhaupt angefangen hat mit dem Investieren, dieser Informationsmangel war oder eine gewisse Angst, dass er etwas falsch machen könnte und einfach das Geld in fremde Hände legt.

Und das fand ich dann auch wieder irgendwie so ein bisschen augenöffnend, weil dieser Informationsmangel, der ich glaube, der beschäftigt viele junge Leute, weil es gibt mittlerweile einen Overload an Informationen, und man weiß phasenweise gar nicht: "Okay, wo werden die wichtigsten Fragen geklärt? Wo kann ich mich darauf verlassen, was gesagt wird?"

Ich glaube, das war für mich auch so ein Punkt, wo ich mich sehr gehört gefühlt habe.

Ja, absolut. Und ich habe das Gefühl, beim Andreas, der hätte auch schon früher problemlos beginnen können, wobei man auch dazu sagen muss, also alles, was heute vielleicht so einfach ist, auch durch die Angebote, die aufgekommen sind, durch Online-Broker etc., das gab es halt in dem Ausmaß auch noch nicht vor 5 Jahren oder vor 10 Jahren schon gar nicht, würde ich sagen. Also da hat er schon einen Punkt, und aber er hat schon recht.

Also eine gewisse Grundfinanzbildung, die braucht man, und die sollte halt im Idealfall an der Schule schon kommen, weil dann hat man auch die Fähigkeit, dass man dann differenzieren kann: "Okay, ist jetzt das, was mir da erzählt wird, irgendwie realistisch?" Also ich denke da jetzt so an diese Scammer, die es da gibt, oder Leute, die Einzelaktien versprechen, die dann innerhalb von 2 Wochen 200 % machen sollen, dass man da Sensoren bekommt, um zu erkennen, da muss man hellhörig sein, oder das kann nicht ganz stimmen, vielleicht.

Mir ist dann spätestens bei dem Punkt aufgefallen, dass er sich wirklich gut auskennt, als er dann tatsächlich erzählt hat, in was er konkret investiert hat. Er investiert ja in Einzeltitel im Technologiebereich, und das seit der Corona-Zeit. Ich weiß jetzt generell, dass das sehr risikobehaftet ist und er dieses Risiko auch eingeht, weil er einfach weiß, wie sein Portfolio aussieht.

Kannst du mir und auch den HörerInnen vielleicht noch kurz zusammenfassen, was man mit Einzeltitel, was da alles dazugehört?

Ja, du hast das eigentlich eh jetzt super zusammengefasst. Also er hat sich da auf den Technologiesektor eingelassen, weil ihn das auch interessiert, einfach diese Unternehmen, und die waren auch hochlukrativ. Also insofern kann man ihm nur gratulieren, dass er da diese Auswahl getroffen hat. Aber das ist halt beim Andreas, er ist sich auch seines Risikos bewusst, und man darf dann als Investor oder Investorin nicht den Fehler machen und glauben, weil man da vor 5 Jahren die richtige Wahl getroffen hat, eher so aus einem Hüftschuss heraus, weil das irgendwie alle gemacht haben.

Das geht jetzt so weiter mit der Technologie. Also man muss halt streuen. Also streuen bedeutet im Idealfall verschiedene Regionen, verschiedene Branchen, also jetzt nicht nur sich auf Technologie konzentrieren, nicht jetzt nur auf USA konzentrieren, nicht nur auf Österreich konzentrieren. Das ist ganz egal. Also es geht wirklich ums breit veranlagte, über Regionen, über Branchen hinweg, über verschiedene Aktien hinweg zu investieren. Darum geht es, und dann ist man eigentlich auf der sicheren Seite langfristig vor allem.

Also die zeitliche Komponente spielt immer auch eine Rolle, weil es kann schwanken an den Aktienmärkten. Das ist einfach so, das gehört auch dazu. Aber die Statistiken zeigen halt, ab einer gewissen Haltedauer vermindert sich das Risiko, dass man überhaupt mit einem Verlust aussteigen kann, also ist dann Null oder quasi ausgeschlossen. Es beginnt dann so ab 15 Jahren aufwärts, circa Haltezeit.

Also sein Mindset war, glaube ich, alles in allem der wichtigste Faktor für mich von dieser ganzen Folge, was ich so mitgenommen habe, weil mich das extrem inspiriert hat und mir gezeigt hat, dass man sich einfach so früh wie möglich mit dem Ganzen auseinandersetzen sollte, sich weiterbilden sollte, einlesen sollte, um dann selbst mutig Schritte machen zu können in die richtige Richtung.

Natürlich ist immer ein gewisses Risiko oder am Anfang eine gewisse Angst vorhanden, aber ich finde, dass der Andreas in diesem Gespräch sehr schön zusammengefasst hat, dass man einfach gewisse Sachen wagen muss.

Und ja, eigentlich möchte ich mit diesem Punkt schließen. Traut es euch, und ich würde sagen, danke Alex für die Nachbesprechung, und wir hören uns dann beim nächsten Mal.

Vielen Dank, Anna-Lisa. Bis bald.

Das war Safe Stories übers Investieren.

Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich der Information und stellen keine Anlageempfehlung dar. Wer weiß, wie man mit Chancen und Risiken umgeht, kann seine finanzielle Zukunft bewusst selbst gestalten.

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Dieser Podcast ist Teil der Initiative "Beteilig dich der Wiener Börse". Mehr Infos dazu findest du online unter wienerborse.at/beteilig-dich sowie auf Instagram, TikTok und YouTube im Profil der Wiener Börse.

Danke fürs Zuhören.

Bis zum nächsten Mal.